Creative Foresight erweitert klassische Zukunftsforschung um eine visuelle und künstlerische Dimension. Statt Trends nur in Reports und Trendlisten zu fassen, macht der Ansatz Zukunft sichtbar, erlebbar und diskutierbar – ein entscheidender Vorteil für Unternehmen, die Innovationsentscheidungen nicht allein auf Textbasis treffen wollen. In Folge #95 des Podcasts „Innovation geht anders" spricht Dr. Rupert Hofmann, Foresight-Verantwortlicher bei Audi Business Innovation, darüber, wie sich analytische Zukunftsarbeit und kreative Praxis sinnvoll verbinden lassen.
Dr. Rupert Hofmann: Foresight-Experte mit künstlerischem Blick
Rupert Hofmann verantwortet bei Audi Business Innovation die Foresight-Themen und hat dort die unternehmensübergreifende Foresight Academy mitaufgebaut. Was ihn von klassischen Trendanalysten unterscheidet, ist sein zweiter Zugang zur Zukunft: ein künstlerischer Blick, geprägt durch systematische Beobachtung statt reiner Zahlen- und Textanalyse. Für ihn ist Creative Foresight kein kreativer Zusatz zur „eigentlichen" Arbeit, sondern eine professionelle Kompetenzkombination – bestehend aus systematischem Beobachten, sinnvoller Verdichtung und dem Ausdruck von Erkenntnissen in Bildern oder Artefakten, die Entscheidungen anstoßen.
Die Foresight Academy: Zukunftsarbeit im Verbund globaler Unternehmen
Ein zentraler Baustein der Folge ist die Foresight Academy, in der 16 Unternehmen – darunter SAP, Adidas und Porsche – gemeinsam an Zukunftsfragen arbeiten. Der Mehrwert liegt weniger in der Zahl der beteiligten Marken als im Prinzip dahinter: Zukunftsfragen sind häufig zu komplex, um sie aus der Perspektive eines einzelnen Unternehmens vollständig zu erfassen.
Im kooperativen Setup entstehen gemeinsame Fragestellungen und eine Methodik, die von unterschiedlichen Unternehmenskulturen profitiert. Reibung, gegenseitige Spiegelung und Perspektivenvielfalt wirken dabei nicht als Störfaktor, sondern als Katalysator für belastbarere Zukunftsbilder. Für Innovationsmanager und Foresight-Strategen liefert dieses Modell ein starkes Argument: Zukunftsforschung wird zur Netzwerkdisziplin, nicht zur isolierten Stabsfunktion.
Was Creative Foresight ausmacht: Zukunft sehen statt nur lesen
Klassische Zukunftsarbeit läuft oft auf denselben Formaten zusammen: Report, Trendliste, PowerPoint. Worte und Daten sind notwendig, erzeugen aber nicht automatisch Vorstellungskraft. Creative Foresight setzt genau hier an: visuelle Zukunftsbilder und kreative Artefakte helfen Organisationen, Zukunft intuitiver zu greifen, zu diskutieren und in konkrete Handlungen zu übersetzen.
Der Ansatz ersetzt bestehende Foresight-Methoden nicht, sondern verschiebt den Schwerpunkt: kreative Ausdrucksformen werden Teil der Methodik selbst – nicht nur ein hübsches Kommunikationsprodukt am Ende des Prozesses.
Zwei Sprachen der Zukunft: Bilder versus Excel-Chart
Ein zentraler Gedanke aus dem Gespräch: ein Bild wird anders analysiert als eine Excel-Chart – beide Formen haben ihre Berechtigung. Charts zwingen zu Eindeutigkeit, Kategorien und Zahlenlogik. Bilder lassen Mehrdeutigkeit zu und arbeiten mit Assoziation, Kontext und Metapher. Creative Foresight nutzt diesen Unterschied bewusst: Zukunft ist selten eindeutig, also braucht sie auch Ausdrucksformen, die Ambiguität produktiv machen, statt sie zu verdrängen.
Six Future Lenses: Struktur für kreative Zukunftsarbeit
Damit Kreativität nicht beliebig wird, arbeitet Hofmann mit einem Werkzeug namens Six Future Lenses – sechs Blickwinkel, mit denen sich Zukunft systematisch betrachten lässt. Im Zentrum steht nicht die Frage „Welche Trends gibt es?", sondern: Welche Perspektiven braucht es, um Implikationen zu verstehen und daraus Innovation abzuleiten?
Damit wird deutlich: Creative Foresight bedeutet nicht kreativ statt strukturiert, sondern kreativ durch Struktur. Die Methodik gibt den Rahmen vor, innerhalb dessen sich künstlerische Ausdrucksformen sinnvoll entfalten können.
Von der Malerei zur Zukunftsgestaltung
Ein roter Faden der Folge führt von schöpferischen Prozessen in der Malerei zur Zukunftsarbeit: Beide folgen einer iterativen, tastenden Logik mit Zwischenständen. Man beobachtet, setzt Akzente, verwirft, überarbeitet, verdichtet. Genau dieses Vorgehen überträgt sich auf Foresight – Zukunft ist nicht richtig oder falsch, sondern eine Gestaltungs- und Interpretationsaufgabe.
Das verschiebt die Rolle von Foresight in Unternehmen: weg vom reinen Vorhersagen, hin zu einem bewussten Gestalten von Zukunftsbildern, die tatsächlich handlungsleitend wirken. Foresight wird damit zu einer kulturellen Praxis in der Organisation – nicht nur zu einem Analyseprozess.
Was Innovationsverantwortliche mitnehmen können
- Zukunftsarbeit braucht mehr als Sprache: Wer nur in Narrativen denkt, verschenkt die Kraft visueller Verdichtung.
- Kreativität ersetzt keine Systematik: Creative Foresight verbindet kreative Artefakte mit methodischer Strenge.
- Kooperation erhöht die Perspektivenqualität: Zukunft als gemeinsames Problem verstanden, lässt sich branchenübergreifend besser bearbeiten.
- Artefakte sind Erkenntnismittel, nicht nur Verpackung: Ein Bild kann neue Fragen sichtbar machen und Diskussionen auslösen, die ein Report nicht auslöst.
Für Unternehmen, die ihre Strategic-Foresight-Praxis weiterentwickeln wollen, liefert Creative Foresight einen konkreten Ansatzpunkt: Zukunftsbilder nicht nur zu beschreiben, sondern gemeinsam mit Teams sichtbar und diskutierbar zu machen. Wer wissen möchte, wie sich diese Methodik in die eigene Innovationsarbeit integrieren lässt, findet in einem Strategic Foresight Setup den passenden Einstieg.
FAQs
Creative Foresight ist ein Ansatz, der klassische Zukunftsforschung um eine visuelle und künstlerische Dimension erweitert. Er verbindet analytische Zukunftsarbeit mit kreativen Praktiken, um Zukunft nicht nur zu beschreiben, sondern erlebbar zu machen.
Dr. Rupert Hofmann verantwortet die Foresight-Themen bei Audi Business Innovation und hat dort die unternehmensübergreifende Foresight Academy initiiert und aufgebaut. Er beschreibt sich selbst als jemand, der stark über Beobachtung und einen künstlerischen Blick auf die Welt arbeitet.
In der Foresight Academy arbeiten laut Podcast 16 Global Player zusammen, darunter SAP, Adidas und Porsche. Gemeinsam untersuchen sie Zukunftsfragen wie „Wie wollen wir in 10 Jahren leben?“ und entwickeln Visionen eines wünschenswerten zukünftigen Alltags.
Die Six Future Lenses sind ein von Rupert Hofmann vorgestelltes Werkzeug, mit dem sich Veränderungen und Zukunft systematisch analysieren und nutzen lassen. Im Zentrum steht der Perspektivwechsel als Methode.
Weil beide Formen ihre Berechtigung haben: Charts zwingen zu Eindeutigkeit, Kategorien und Zahlenlogik, während Bilder Mehrdeutigkeit zulassen und mit Assoziation, Kontext und Metapher arbeiten. Da Zukunft oft nicht eindeutig ist, braucht es laut Rupert Hofmann auch Ausdrucksformen, die diese Mehrdeutigkeit produktiv machen.





