Innovationsfelder 2021

In der TRENDONE Podcast-Episode #13 geht es um Innovationsschwerpunkte, die Innovationsmanager*innen im Blick haben sollten. Dazu stellen wir euch die wichtigsten Innovationsfelder vor. Im Blickpunkt stehen dabei vor allem Themen wie

  • plattformbasierte Einkaufsprozesse
  • neuartige datengetriebene Services
  • Automatisierungslösungen via Software-Roboter

Innovationsverantwortliche sollten diese Themen bei der Neuausrichtung ihrer Innovationsstrategie unbedingt berücksichtigen. Denn als Folge der Corona-Pandemie müssen die Ressourcen Geld und Zeit noch effektiver eingesetzt werden.

Peter von Aspern
Director Trend Services, TRENDONE Hamburg

Sebastian Metzner
Chief Strategy Officer, TRENDONE Berlin

TRENDONE Podcast Cover Episode #13 Innovationsfelder 2021

Podcast Transkription

Episode #13 Innovationsfelder 2021 von und mit Peter von Aspern und Sebastian Metzner vom 18.11.2020 | 46 Min.

Was haben wir uns heute für ein Thema vorgenommen? Innovationsfelder 2021!

Sebastian Metzner: Wir haben uns das Thema vorgenommen, weil das Jahr 2020 ja schon sehr, sehr turbulent war. Nicht zuletzt war natürlich Corona als Wildcard, als Pandemie etwas, was sicherlich nicht, oder nur schlecht, antizipierbar war und uns alle so ein bisschen überrollt hat. Wir haben es in einigen Folgen schon thematisiert; Corona hat natürlich mit seinem Brennglaseffekt, mit diesem katalytischen Effekt, viele Veränderungen im Markt beschleunigt, verlangsamt und hat für viele Turbulenzen gesorgt. Wir wollen die heutige Folge ein Stück weit als Ausblick in das kommende Jahr nutzen und uns fragen, welches eigentlich die Innovationsfelder, die Unternehmen für das kommende Jahr unbedingt berücksichtigen sollten, sind. Das ist die Zielstellung für heute, Peter.

Peter von Aspern: Ja, genau. Und was sie unbedingt im Rahmen ihrer Innovationsstrategie und auch möglicherweise im Rahmen von Innovationsprojekten berücksichtigen sollten. Wir hatten ja das Thema Innovationsfelder schon, ich weiß gar nicht, in welcher Folge das war. Sebastian, wir hatten ja das Thema Innovationsfelder schon mal.

Sebastian Metzner: Ja, wir hatten das Thema in Folge drei und vier. Die beiden Folgen heißen „Fokussiert innovieren“. Darauf willst du hinaus, oder?

Peter von Aspern: Genau, exzellent. Das ist ja auch ein sprechender Titel, fokussiert innovieren. Und darum geht es auch genau natürlich bei dem Thema Innovationsfelder. Denn es geht eben darum ein Rahmen zu schaffen, um eben Innovationstätigkeiten zu bündeln und eben auch eine Ausrichtung der Innovationsstrategie zu gewährleisten. Dafür ist natürlich, spätestens jetzt, ein guter Moment genau dies für das kommende Jahr zu tun.

Was ist ein Innovationsfeld?

Sebastian Metzner: Ja. Ende des Jahres reflektiert man gerne so ein bisschen das Handeln und macht natürlich auch Pläne für das nächste Jahr. Ich glaube, dass ist de facto so. Die Frage, die wir uns natürlich so stellen, was sind wirklich die großen, wir nennen das Innovationsfelder, also diese must-have Themen, die für jedes Unternehmen oder im speziellen für jeden Innovationsmanager oder Innovationsmanagerin im nächsten Jahr wirklich ganz oben auf der Agenda stehen sollten. Und da haben wir uns im Vorfeld der heutigen Folge ein bisschen Gedanken gemacht und uns überlegt, welche Innovationsfelder sind das tatsächlich. Die Frage ist auch nicht ganz so leicht zu beantworten. Peter, vielleicht sollten wir am Anfang nochmal kurz charakterisieren und definieren, was ein Innovationsfeld ist. Du hast gerade schon die Folge drei und vier erwähnt, wo man das nochmal sehr lang nachhören kann. Aber vielleicht nochmal kurz als Einstieg, was ist ein Innovationsfeld?

Peter von Aspern: Genau. Ein Innovationsfeld besteht tatsächlich aus drei Aspekten. Das erste ist eben diese technologische Sphäre, die beleuchtet, welche neuen Möglichkeiten durch technologischen Fortschritt entstehen. Das ist also eine ganz wichtige Komponente, weshalb eben zum Beispiel auch Technologietrends oftmals für Innovationsfelder herangezogen werden und eine wichtige Komponente sind. Das zweite, was natürlich auf keinen Fall fehlen darf, ist die Marktsicht. Das bedeutet, welche neuen konkreten Marktchancen sich eröffnen. Das kann zum Beispiel einmal durch ein verändertes Konsumentenverhalten entstehen, oder auch dadurch, dass sich irgendwie die Marktsegmente verschieben, oder sogar neue Märkte entstehen. Aber es ist eben wichtig, auch eine Marktopportunität in diesen Innovationsfeldern zu adressieren. Und der dritte Punkt ist das Thema Asset-based Innovation. Das bedeutet, dass man sich natürlich auch anschauen muss, welche Möglichkeiten das Unternehmen mitbringt. Das heißt, welche Assets hat es, welches Wissen hat es, welche Funktionsfähigkeiten hat das Unternehmen und wie kann man diese Fähigkeiten vielleicht zukünftig auf andere Art und Weise einsetzen, um entsprechend Innovation voranzubringen. Das Ganze natürlich immer umklammert von der Unternehmensstrategie. Das ist wichtig dazuzusagen. Diese drei Merkmale bezeichnen, oder definieren im Grunde immer auch ein Innovationsfeld.

Sebastian Metzner: Genau Peter. Unternehmensstrategie war ein sehr gutes Stichwort, denn die Innovationsfelder an sich, wir werden heute durch drei exemplarische durchgehen, sind von ihrem Charakter immer sehr unternehmensspezifisch und da eher sehr individuell. Am Ende der Folge, um euch einen kurzen Ausblick zu geben, werden wir euch auch nochmal drei Tipps im Umgang mit den Innovationsfeldern geben. Da komme ich nochmal ein Stück weit auf diese Individualität zu sprechen. Wir können uns an dieser Stelle merken: Je individueller und unternehmensspezifischer die Innovationsfelder sind, desto wirksamer sind sie quasi im Unternehmen. Also das ist nichts, was man irgendwie von der Stange konsumieren kann, oder als Presets sich vordefiniert irgendwo herunterladen kann. Man muss hier wirklich durch diesen Schaffungsprozess der Innovationsfelder, also in die Analyse und die Erstellung, gehen. Dann ist es wirklich ein wirksames Tool.

Warum ist die Arbeit mit Innovationsfeldern so wichtig?

Peter von Aspern: Da können wir nochmal das berühmte Innovationsparadoxon anführen, über das wir jetzt auch schon häufiger gesprochen haben. Und zwar geht es darum, dass viele Unternehmen jetzt gefühlt sehr innovativ unterwegs waren in diesem Jahr. Die meisten waren es ja auch tatsächlich. Wir alle sind jetzt Meister der Adaption geworden, wenn man so will. Man hat ja in vielen Bereichen es geschafft kurzfristig sich zu digitalisieren und viele Angebote, aber auch interne Abläufe, verändert. Das darf aber eben auf der anderen Seite nicht darüber hinwegtäuschen, dass es eben auch wichtig ist mittel- und langfristige Innovationen weiter nach vorne zu bringen. Also Innovationen, die eben über dieses Innovationshorizont-1-Niveau herausgehen und auch Richtung Innovationshorizont 2 und 3 gehen, dass ist eminent wichtig. Wir haben in unserer Innovationsthema-Studie ja gesehen, das Unternehmen in der Corona Phase, also sprich: eigentlich in diesem Jahr, ihre Innovationsbudgets teilweise um bis zu 20 Prozent reduziert haben. Was natürlich auch auf die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas einzahlt. Man sieht ja, dass China aktuell sich ja sehr gut erholt nach der Corona-Krise. Und gerade deshalb ist es eben besonders wichtig, die momentanen vielleicht auch eher weniger gewordenen finanziellen Ressourcen sehr gut zu fokussieren. Dementsprechend sind dort Innovationsfelder ein sehr gut geeignetes Werkzeug, um genau das zu tun, also Innovationsressourcen zu bündeln und die Situationsaktivitäten bestmöglich auf bestimmte, definierte Themen zu kanalisieren.

Sebastian Metzner: Genau. Natürlich sind wir Meister der Anpassung geworden, ich hätte fast gesagt, "Meister der Improvisation". Natürlich ist an sehr vielen Stellen in Unternehmen plötzlich Innovation geschaffen worden. Auch, um diese vielfältigen Innovationsbemühungen, die sehr dezentralisiert sind, du hast gerade das schöne Wort "kanalisieren" benutzt, wieder einzufangen, zu bündeln und dem Ganzen eine gemeinsame Richtung zu geben. Da sind die Innovationsfelder sehr, sehr gut. Peter, lass uns den Schwerpunkt auf die methodische Einordnung legen und wirklich in die drei exemplarischen Innovationsfelder, die wir für die Folge vorbereitet haben, hineinschauen. Das ist erstens das Thema procurement as a platform, das zweite haben wir hybrid services genannt und das dritte ist das Thema Robotic Process Automation. Das schon mal, damit ihr ein bisschen wisst, worüber wir gleich sprechen wollen. Diese drei Innovationsfelder gehen wir durch und erklären euch genau, was sich dahinter verbirgt. Lass uns in das erste Thema genau reinschauen. Wir haben es jetzt mal "procurement as a platform" genannt.

"Procurement as a platform" - was genau verbirgt sich dahinter? Was charakterisiert dieses Innovationsfeld?

Peter von Aspern: Noch kurz vorweg: Alle drei Innovationsfelder sparen euch bares Geld. Wir haben ganz bewusst Themen rausgesucht, die sich kurz- und mittelfristig amortisieren und gleichzeitig auch langfristig spannende, neue Perspektiven eröffnen. Lass uns mit dem ersten Innovationsfeld, procurement as a platform, starten. Da geht es um ein ganz spannendes Thema. Natürlich haben die digitale Transformation und der Trend zum digitalen Einkauf auch die Einkäufer in Unternehmen erfasst. Eigentlich ist das ja auch total logisch. Inzwischen ist es laut einer Studie von McKinsey so, dass 75 Prozent der B2B-Einkäufer digitale Kanäle bevorzugen. Das mag vielleicht ein bisschen verwunderlich klingen, es ist aber tatsächlich so, dass im Einkauf bis vor wenigen Jahren immer noch sehr traditionelle Kanäle Standard waren. Man hat sich auf Messen getroffen, der Außendienstmitarbeiter ist ins Unternehmen gekommen und hat dort seine Lösungen vorgestellt. Vertrauen und das persönliche Treffen standen oftmals hoch im Kurs. Es ist ja auch so, dass es im B2B Einkauf schnell um große Summen gehen kann. Nun sehen wir eben tatsächlich, dass auch hier eine große Digitalisierungswelle eingesetzt hat. Um es mal in Zahlen auszudrücken: Es ist so, dass im Jahr 2018 1,3 Billionen Euro über B2B Onlinehandelsplattformen umgesetzt worden sind. Davon ist ein Viertel, also 23 Milliarden Euro, über klassische Websites, Onlineshops und Marktplätze umgesetzt worden. Der größere Teil ist über automatisierte digitale Prozesse, das heißt so etwas wie Schnittstellen, APIs und EDI Schnittstellen, die automatisiert Bestellungen auslösen können, gelaufen. Man schätzt, dass dieses Marktvolumen im Jahr 2021 2 Billionen Euro erreichen wird. B2B-Einkäufe im Volumen von 2 Billionen Euro werden im kommenden Jahr über digitale Plattformen passieren.

Sebastian Metzner: Gibt es ein Beispiel, an dem wir das deutlich machen können?

Peter von Aspern: Ja, es gibt ein spannendes Beispiel von Metro. Das zeigt gleichzeitig auch auf, welche neuen Angebote durch diese digitalen Einkaufsplattformen möglich werden. Metro hat eine Plattform namens Dish entwickelt. Das ist eine zentrale Plattform für die Gastronomie, wo Themen wie die Homepages Restaurants, Reservierungssoftware, Personalkalkulationstools, eingebunden sind. Dort besteht auch die Möglichkeit eine vollumfänglich digitale Speisekarte, die dir auch gleich ausrechnet, welchen Deckungsbeitrag die einzelnen Menüs auf der Speisekarte haben, zu erstellen. Außerdem wird auch gewährleistet, dass die Zutaten, die man für diese Gerichte braucht, automatisiert nachbestellt werden können, weil das System jederzeit weiß, wie der aktuelle Lagerstand ist. Das System weiß dann zum Beispiel wie viel Ketchup, oder Trüffel noch im Kühlhaus zur Verfügung stehen und bestellt, wenn eine kritische Menge unterschritten wird, automatisch bei der Metro die jeweiligen Produkte nach. Was eben zum einen die Schnittstelle der Metro zu ihren Endkunden in der Gastronomie logischerweise digitalisiert und eben aber auch automatisiert, weil diese Bestellungen eben automatisiert ausgelöst werden. Das ist ein total spannender Fall. Und zeigt auch, dass man eben nicht nur vorhandene Prozesse jetzt digitalisiert, sondern dass eben immer auch diese Technologien neue Möglichkeiten für den Marktzugang ermöglichen.

Sebastian Metzner: Aber im Kern stehen ja schon die Plattformen dahinter. Die Metro hat eine sehr umfänglich große Plattform gebaut, die eine Vielzahl von Services anbietet. Die auch integral gut ineinandergreifen, um einfach ein gutes Kundenerlebnis zu haben. Du hast es gerade gesagt vom Bau der Homepage, dass sich erstmal ein Restaurant digitalisieren kann, um dann Reservierungen entsprechend anzunehmen. Das heißt, dort kann die Metro dann in die Auslastungszahlen reingucken bis natürlich hin, was wird im cash and carry Markt gekauft, bis hin auch was in den Kassen dann gebongt wird. Und dann haben sie eine umfängliche Datenerhebung und können darauf hin, die Services anbieten. Dieser Plattformgedanke ist schon ein sehr, sehr mächtiger. Peter, du hast es gerade auch nochmal an den Zahlen dargelegt. Lass uns vielleicht nochmal kurz darauf schauen, für wen ist dieses Innovationsfeld Procurement, also Service, wo es so um Einkaufsprozesse auf Plattformen geht, interessant.

Für welche Unternehmensgröße und Branchen sind plattformbasierte Einkaufsprozesse interessant?

Peter von Aspern: Zum einen ist es auf jeden Fall interessant für den Asiaten, der hier bei mir um die Ecke ist. Der hat jetzt nämlich auch tatsächlich eine Internetseite, aber leider ohne Speisekarte. Und bietet auch Bestellungen an zum Abholen und zum Liefern lassen. Und der verschickt die Speisekarte über den Facebook Messenger als Foto. Um mal ein Beispiel zu zeigen. Das ist schon hart, aber das zeigt eben tatsächlich auch, welche Digitalisierungspotenzial in der Gastronomie offensichtlich noch immer bestehen. Ansonsten ist natürlich dieser Ansatz des digitalen Einkaufs über Plattformen natürlich für das produzierende Gewerbe sicherlich von besonderem Interesse. Also einfach dort, wo viel Material im Umlauf ist, Vorprodukte eingekauft werden müssen, Verbrauchsmaterialien eingekauft werden müssen. Vielleicht auch Dinge oftmals eingekauft werden müssen, die einfach in vorhersehbarer Menge bei gut kontrollierbarer Qualität gekauft werden müssen. Da macht das natürlich Sinn. Die Vorteile liegen natürlich einfach darin, dass der Einkäufer eine sehr gute Vergleichbarkeit von Konditionen hat. Er kann sich natürlich einfach auf diesen Plattformen anschauen, welcher Anbieter bietet welche Mengen zu welchem Preis in welcher Qualität und in welchem Zeitraum. Solche Plattformen für Industriegüter gab es ja in der Vergangenheit gar nicht. Es ist ja nicht so, dass der Einkäufer im mittelständigen Unternehmen, ähnlich wie bei Amazon, da einfach so durchfliegt und dann nach diesen Ressourcen suchen kann. Das bewegt sich jetzt aber stark in die Richtung. Und für die Anbieter ist natürlich der Vorteil, dass der Go-to-Market wesentlich einfacher über solche Plattformen ist, weil sie natürlich einem viel im Bereich Marketing und Vertrieb abnehmen können.

Sebastian Metzner: Ja. Die Nachteile hast du auch nochmal klar benannt. Das heißt, der Wegfall der direkten Kundenbeziehung ist schon ein großes Risiko. Denn, wenn man sich in die Augen schaut, natürlich nochmal andere Konditionen vielleicht entstehen, als wenn man das alles digital auch vielleicht automatisiert abbildet. Wobei man muss sagen, eventuell entstehen auch Login Effekte, die diesen Wegfall der direkten Kundenbeziehung wieder so ein Stückweit abfedern. Das bleibt noch so ein bisschen außerhalb der Frage.

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Peter, warum gerade jetzt dieses Innovationsfeld, warum wurde das gerade jetzt so wichtig?

Peter von Aspern: Tatsächlich ist es so, dass natürlich solche B2B Handelsplattformen jetzt per se nichts Neues sind. Es gibt ja auch Plattformen, wie Amazon Business oder Alibaba.com, die gibt es ja schon eine ganze Weile. Tatsächlich ist es aber so, dass einfach dieses Volumen, das auf diesen Plattformen gehandelt wird, massiv ansteigt. Und wir schon erwarten, dass aufgrund der Entwicklung jetzt durch die Corona Krise auch hier, genau wie auch im B2C E-Commerce, nochmal ein gigantischer Schub kommen wird und dieses Thema jetzt an Fahrt aufnehmen wird in 2021.

Sebastian Metzner: Also Unternehmen sollten sich schon genau überlegen, inwiefern sie sich in diese bestehenden Plattformen hineinintegrieren. Ob sie eigenständige Plattformen entwickeln, oder ob sie eventuell sagen: "Wir lassen die Finger von den Plattformen.". Wir haben ja auch schon in der letzten Folge, der Folge 12, intensiv über das Plattformthema geredet. Hier aber nochmal in dem Gewand der Innovationsfelder. Das ist aus meiner Sicht eines der wichtigsten Innovationsfelder 2021. Für fast jedes Unternehmen, außer man ist extrem stark im Service drinnen, ist das Thema strategisch absolut relevant. Genau zu prüfen, inwiefern sie sich in diese digitalen Beschaffungs- und Einkaufsprozesse einklinken wollen, denn diese alte Außendienst-Mentalität kommt zum Erliegen. Machen wir einen Haken an das Thema, oder?

Ab zum nächsten Innovationsfeld, Hybrid Services.

Sebastian Metzner: Im Grunde stecken datengetriebene Services dahinter. Das ist natürlich durch die Digitalisierung und durch die Minitarisierung auf Basis von IoT-Sensoren immer mehr Produkte mit einem digitalen Layer überzogen werden können. Was hat uns bewogen das Thema so ein bisschen aufs Tapet zu bringen? Bevor Peter antwortet will ich euch schnell den Future Fitness Check vorstellen. Ihr findet ihn unter trendone.com/ffc und er beantwortet eine der spannendsten Fragen, nämlich zu welchem Innovationstypen euer Unternehmen gehört. Ob ihr eher ein Lone Strategist, oder eher ein Open Tactician seid? Anhand von 15 einfach Fragen könnt ihr euren Innovationstypen ermitteln. Das Ganze dauert nicht einmal zehn Minuten und ihr erfahrt alles über eure individuellen Stärken und Schwächen eures Types. Ihr bekommt natürlich auch unsere Empfehlung, wie ihr aus diesem Typ heraus bestmöglich innovieren könnt. Und jetzt schnell zurück zu Peter und der Frage.

Peter von Aspern: Auch hier ist es so, dass die Marktvolumina dramatisch anschwellen. In der Automobilbranche geht man beispielsweise davon aus, dass digitale Services im Jahr 2030 tatsächlich ein zehnmal so hohes Umsatzpotential haben werden, wie es heute der Fall ist. Wenn man das dann hochrechnet, würde im Jahr 2050 die Hälfte der automobilen Wertschöpfung durch digitale Services passieren. Tatsächlich ist das Spannende, dass sehr viele Grundlagen, Innovationen, für die solche datengetriebenen Services notwendig sind, also IoT, oder 5G, in einer kritischen Menge verfügbar werden, sodass diese datenbasierten Services, beziehungsweise hybrid services, von denen wir Trendforscher schon etwas länger sprechen, nun Realität werden. Das kommende Jahr könnte ein guter Zeitpunkt sein dort reinzugehen.

Sebastian Metzner: Viele Unternehmen, die früher wirklich Produkte angeboten haben, sind jetzt natürlich in der Herausforderung sich im Bereich Service ganz stark zu entwickeln. Das beste Beispiel meiner Meinung nach ist der Hamburger Hafen. Die bieten mit ihren Verladekränen eine ganz normale Dienstleistung, also den Containerumschlag vom Zug auf das Schiff. Sie haben quasi ihre Kräne mit einer Messlogik und Software, die es ihnen erlaubt diese Container zu wiegen und die Balance des Containers festzustellen, ausgestattet. Sie haben einen Algorithmus, der ihnen sagt, wo auf diesen riesigen Containerschiffen der Panama Klasse sie den Container dann abstellen müssen. Das Ziel dahinter ist diese Container optimal zu platzieren, sodass das Schiff auf der langen Fahrt die geringste Menge an Sprit verbraucht. Es ist also eine Art Ladeplatzoptimierung. Von dem alten Geschäftsmodell Container umzuschlagen und dabei möglichst schnell zu sein, damit das Schiff keine Liegezeiten hat, ist es eher dahingegangen, dass man sagt: "Wo ist der optimale Containerstellplatz, damit das Schiff am wenigsten Sprit verbraucht.". Das ist dann wirklich ein datengetriebenes Geschäftsmodell, wo auch die Reeder am Hamburger Hafen bereit sind, vielleicht mehr zu bezahlen.

Peter von Aspern: Erstaunlich. Es ist ein Muster, dass immer das ein spannendes Handlungsfeld ist, wo durch Prozessoptimierung auch große finanzielle Summen am Ende des Tages eingespart werden können. Es geht natürlich viel um Effizienz. Deshalb ist es auch für Logistik- und Produktionsunternehmen, Stichwort Productive Maintenance, ein spannendes Handlungsfeld. Ein anderer Bereich kann auch der Versicherungsbereich sein, wo es auch beispielsweise um die Vorhersage von Schadensrisiken geht. Da waren Daten schon immer extrem wichtig. Es ist aber natürlich auch für die Zukunft gedacht spannend, am Beispiel Conti, was wir in der letzten Folge hatten, ist das ersichtlich. Die haben quasi rund um ihre Reifen einen Service gebaut, weil die Reifen mit Sensoren ausgestattet sind, sodass man als Flottenmanager jeder Zeit über den Zustand der Reifen Bescheid weiß. Bevor es zum Beispiel zu einem geplatzten Reifen von einem LKW kommt, kann man den Reifenwechsel schon rechtzeitig veranlassen. Das ist auch ein Beispiel, wo es auf der einen Seite für den Kunden um Effizienz geht, man spart einfach Geld, weil man Stillstandszeiten vermeiden kann. Und für den Anbieter, in dem Fall Conti, geht es natürlich auch darum, dass neue Erlöspotentiale generiert werden. Auf der anderen Seite geht es auch darum, dass eine permanente Kundenbindung etabliert wird. Das ist auch immer ein wichtiges Motiv, wenn man solche Hybrid Services etablieren möchte. Das ist auch nochmal ein Grund, warum wir das jetzt aufs Tapet heben. Wir sehen eben, dass digitale Plattformen, wir haben schon im vorherigen Innovationsfeld darüber gesprochen, massiv an Bedeutung gewinnen. Deshalb ist das Thema Aufbau und Erhalt von direkten Kundenbeziehungen extrem wichtig und wird auch immer wichtiger. Da können solche hybrid services ein Mittel sein, um genau das zu erreichen. Dass man eben nicht nur von diesen großen Plattformen, sei es nun im B2B, oder im B2C Bereich, die die alleinige Endkundenbeziehung halten, abhängig ist. Man kann über solche Services tatsächlich auch als Hersteller von klassischer Hardware selbst eine Endkundenbeziehung aufbauen.

Datengetriebene Modelle setzen technische und organisatorischen Kompetenz in diesem Umgang mit Daten voraus

Sebastian Metzner: Peter, du hast in unserem Vorbereitungsdokument, was wir immer pflegen, einen interessanten Punkt herausgegriffen. Über den bin ich ein bisschen gestolpert. Damit diese datengetriebenen Modelle funktionieren und die Argumentationskette, die wir gerade aufgespannt haben, klingt immer total plausibel, ist es natürlich wichtig, dass die Unternehmen sowohl die technische, als auch die organisatorische Kompetenz in diesem Umgang mit Daten haben. Das ist in Deutschland noch nicht so der Fall. Du hast geschrieben, dass ganz, ganz wenig Unternehmen überhaupt bereit sind so etwas zu etablieren. Vielleicht erklärst du diesen Punkt nochmal, das fand ich sehr spannend.

Peter von Aspern: Ja. Tatsächlich ist es so, dass gemäß einer Umfrage des Institutes der Deutschen Wirtschaft es vielen Firmen immer noch schwer fällt Daten tatsächlich gewinnbringend zu nutzen. Inzwischen werden in vielen Unternehmen, auch einfach auf Basis von vorhandener Software, extrem viele Daten gesammelt. Das ist der erste Schritt, aber 84 Prozent der befragten Unternehmen haben gesagt, dass sie im Bereich der gewinnbringenden Datennutzung eher noch auf dem Level der Einsteiger sind. Daran sieht man auch, dass es tatsächlich ein nicht zu unterschätzender Skill ist mit diesen Daten arbeiten zu können. Das sind zum Teil sehr komplexe IT-Fähigkeiten, die du dann da brauchst, vor allem, wenn man mit vielen Legacy Systemen in alten Unternehmen zu tun hat und Daten in verschiedenen Formaten vorliegen, oder auf verschiedene Plattformen verteilt sind. Das ist wirklich eine ganz wichtige Fähigkeit, die sich Unternehmen da aneignen müssen.

Die Überschrift des dritten Innovationsfeldes ist "Robotic Process Automation"

Peter von Aspern: Genau, kurz gesagt RPA. Das ist wirklich ein spannendes Feld. Es geht darum, dass durch RPA Schnittstellen in der Software, die aktuell menschliche Handlungen erfordert haben, durch Bots reproduziert und übernommen werden können. Oft gibt es Routinetätigkeiten in bestimmten Bereichen, zum Beispiel das Bearbeiten von Bestellungen, oder der Abgleich von Waren- und Rechnungseingängen, die Pflege von Zahlungssystemen, die Angebots- und Auftragserstellung und vieles mehr. Es gibt in jedem Unternehmen eine ganze Fülle von Tätigkeiten, die einen Routinecharakter haben. Solche Prozesse können dann sehr gut durch solche RPAs besetzt werden. Das Spannende ist tatsächlich, dass es dazu nicht notwendig ist die zu Grund liegende Software, die aktuell dafür eingesetzt wird, zu verändern. Diese kleinen Tools setzen sich genau in diese Schnittstellen rein, ohne, dass ich meine vorhandene IT und Software Landschaft komplett umkrempeln müsste. Das ermöglicht zum einen erstaunliche Einsparpotentiale, zum anderen kann es aber auch ein neues Servicelevel, was vielleicht vorher, unter dem Einsatz von menschlichen Ressourcen, finanziell gar nicht darstellbar gewesen wäre, ermöglichen. Das ist von beiden Seiten her sehr interessant. Um es zusammenzufassen: RPA ist eine Konfiguration, die manuelle, wiederholbare Aufgaben automatisiert. Es stellt eine workflowfähige Interaktion, die Sachbearbeiter, oder User, simuliert, dar. RPA verhält sich sozusagen so, wie sich der menschliche Bediener der Software verhalten würde. So kann man es sich ganz gut vorstellen. Es ist, als ob ein Roboter am Rechner sitzen würde, nur eben als Software.

Sebastian Metzner: Häufig geht es ja wirklich um solche Microtasks. Die Schwierigkeit, die ich dabei sehe, ist vor allem, dass es sehr individuell ist und dass jedes Unternehmen wirklich fast schon Business Analytics like schauen muss, was für Routineprozesse sie haben, wo ein Mensch zum Beispiel aus einer E-Mail eine Rechnungsnummer kopiert und sie dann ins CRM überträgt und das gefühlt hundertmal am Tag macht. Es hört sich zwar komisch an, kommt aber wirklich sehr häufig in Unternehmen vor. Bei diesen ständigen Routineprozessen greifen diese RPAs ein und automatisieren das. Warum ist das Thema gerade in der jetzigen Situation so relevant? Lass uns nochmal darauf eingehen.

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Warum ist das RPA-Thema gerade in der jetzigen Situation so relevant?

Peter von Aspern: Zum einen ist es auch hier so, dass dieser ganze RPA Markt rasant wächst. Es gab jetzt wohl in diesem Coronajahr ausgerechnet eine gewisse Verschnaufpause im Wachstum, aber Gardner sagt, dass im Jahr 2021 das weltweite Marktvolumen bei fast 2 Milliarden Dollar liegen wird. Das sind 20 Prozent mehr als in diesem Jahr. Gardner glaubt, dass bis zum Jahr 2022 90 Prozent der internationalen Konzerne bereits RPA in irgendeiner Form eingeführt haben werden. Das ist auf jeden Fall eine Zahl, die die Relevanz des Themas nochmal unterstreicht. 90 Prozent der Konzerne werden das entsprechend in zwei Jahren im Einsatz haben. Das Spannende sind natürlich die treibenden Themen. Das ist zum einen die Prozessqualität, dass man Prozesse massiv beschleunigen kann. Es gab ein schönes Beispiel von O2. Die haben als Telefonanbieter ja ganz viele Routineprozesse, zum Beispiel, wenn jemand eine neue SIM-Karte bestellt hat und die aktiviert. Da muss dann im Backend die Rufnummer der alten SIM-Karte auf die neue übertragen werden. Das war zum Teil wirklich ein menschlicher Prozess. Das hatte zur Folge, dass es aus Kundensicht einfach unerträglich lange gedauert hat und man ein, zwei Tage vielleicht nicht erreichbar war. Solche Dinge passieren jetzt eben nicht mehr, weil RPAs dafür eingesetzt werden. So etwas ist jetzt in wenigen Minuten erledigt und das pro Zeiteinheit quasi unbegrenzt, weil es eine skalierbare Softwarelösung ist. Das ermöglicht damit auch erhebliche Leistungssteigerungen im Bereich Service. Das ist sicherlich ein relevanter Faktor. Ansonsten ist es natürlich auch so, dass solche Anwendungen in der Vergangenheit eher größeren Konzernen vorbehalten waren, weil sie auch hier ein gewisses Knowhow im Bereich IT erfordern. Inzwischen ist es aber so, dass solche RPA Lösungen von vielen Unternehmen als IT-Leistungen angeboten werden. Im Grunde kann inzwischen jedes mittelständische Unternehmen solche RPAs bei sich einsetzen. Das macht dieses Thema aktuell auch so spannend. Im B2B Sinne gesprochen macht es das fähig für den Massenmarkt.

Sebastian Metzner: Es ist ja auch eine unheimliche Breite. Von Bezahlvorgängen, über Einkaufsprozessen, bis hin zu HR-Prozessen ist es eine sehr mannigfaltige Anwendungsfläche, die da existiert. Ich glaube aber schon, dass du eine große Anzahl von diesen Routineprozessen in einer gewissen Häufigkeit brauchst, damit es sich auch rentiert. Frag mich nicht nach einer konkreten Größe, aber ich glaube schon, dass die in einem relevanten Maß vorhanden sein müssen, damit sich die Analyse und Automatisierung dieser Prozesse nachhaltig lohnen. Auch die Anpassung, die dort immer wieder nötig ist, verschlingt ja Geld. Die reine Kostenersparnis hängt schon mit der Losgröße zusammen, wie viele manuelle Schritte du machst.

Peter von Aspern: Ja, natürlich.

Sebastian Metzner: Davor darf man die Augen nicht verschließen. Es redet sich immer leicht von Einsparungen. Wer diese Prozessautomatisierung begleitet hat, weiß, dass es viel Hands-on und Individualarbeit ist, die auch einen größeren Kostenblock verschlingt.

Peter von Aspern: Ja, absolut. Das ist völlig richtig. Du als unser CM Profi weißt das ja. Tatsächlich ist es auch so, dass man andersherum gesprochen, gerade im Innovationskontext, immer auch sehen muss, dass es um Kostensenkungspotentiale geht. Es kann ja wirklich die Aufgabe von Innovation sein nach innen zu wirken und durch neue Technologien und Verfahren Kosten dramatisch zu reduzieren, um einfach auch wieder Kapital für Innovationen frei zu machen. Auf der anderen Seite ermöglichen solche Lösungen aber auch neue spannende Kundenservices. Das sind beispielsweise Dinge, die vormalig unter dem Einsatz von menschlichen Akteuren, finanziell gar nicht darstellbar gewesen wären, weil sie in der Umsetzung einfach viel zu teuer gewesen wären. Da gibt es sicherlich viele spannende Potentiale, wo man eben wirklich auch nach vorne gedacht neue Services, die sonst gar nicht finanzierbar gewesen wären, entwickeln kann. Noch ein anderes Beispiel, was mir gerade einfällt, ist, dass es beim iPhone, ich sage iPhone, weil ich mich mit Android nicht so gut auskenne, eine App gibt, die "Kurzbefehle" heißt. Diese App ist schon vorinstalliert und du kannst, ähnlich wie bei RPA, Abläufe programmieren, die dein Handy dann ausführt, wenn bestimmte Konditionen erfüllt sind. Mein Handy deaktiviert morgens um 6.30 Uhr zum Beispiel automatisch den Flugmodus. Das ist ein Beispiel für eine RPA Lösung. Man kann dann noch viel komplexere Sachen bauen, zum Beispiel: Gehe aus dem Flugmodus, check das Wetter, schick mir eine E-Mail mit dem Wetterbericht und all meinen Kalendereinträgen von heute. So etwas kann man sich damit bauen. Das nur mal so als Beispiel, damit man mal ein Gefühl dafür bekommt, was das eigentlich technisch ist. Gibt es das bei Android auch?

Sebastian Metzner: Ja, da gibt es den sogenannten "Schlafmodus". Da kann ich dann genau definieren, dass er zu bestimmten Zeiten den Bildschirm beispielsweise auf schwarz, weiß stellt, damit deine Augen nicht so strapaziert werden, oder dass er nach einer gewissen Zeit in den Flugmodus schaltet. Das geht alles automatisch, aber das ist eher unter einem Well-Being-Kontext eingebaut. Ich weiß auch von Alexa, dass es da diese Routine gibt, die du gerade erwähnt hast. Komplexe Abfolgen kann man dort ganz einfach erstellen. Ich wollte fast programmieren sagen, aber damit hat es ja nichts zu tun. Ansonsten "if this than that", so ein wirklicher Service, der auf Basis dieser unterschiedlichen Workflows und Routinen gegründet worden ist mit jeder Menge APIs für sämtliche Services. Das ist natürlich so ein bisschen die Urmutter dieser RPAs auf Consumer Ebene. Es ist aber sehr interessant. Vielleicht nochmal zum Abschluss dieser drei Innovationsfelder: Wir merken, dass es von unserem ersten Thema, procurement as a platform, über das Thema hybrid services bis hin zum Thema RPA, drei digitale Innovationsfelder sind. Alle greifen ein Stück weit ineinander, sind fast anschlussfähig und betonen einen gemeinsamen Nenner. Lass uns da zum Abschluss den Hörern noch ein paar Tipps, was im Umgang mit Innovationsfeldern noch beachtet werden sollte, mitgeben.

Was sollten diejenigen, die jetzt Lust bekommen haben Innovationsfelder zu erstellen, konkret machen?

Peter von Aspern: Zum einen ist es ganz wichtig diesen Umstand, den du jetzt auch schon mehrfach erwähnt hast, nochmal zu betonen. Innovationsfelder sind natürlich, anders als Trends, nichts, was man für sich recherchieren und direkt anwenden kann. Wir haben solche Beispiele für Innovationsfelder genannt. Natürlich muss man das hierbei immer auf den eigenen Unternehmenskontext übertragen. Zum einen ist es ja so, dass die Innovationsfelder auch zum Markt, oder zum für das Unternehmen zukünftig gewünschten Markt, passen müssen. Sie müssen auf die Marktsituation eingehen und erkennbare Marktpotentiale für das Unternehmen freischalten. Außerdem ist es natürlich auch ganz wichtig, dass diese Innovationsfelder auch mit den vorhandenen Fähigkeiten im Unternehmen in Zusammenhang stehen. Es nützt ja nichts, wenn man sagt: "Wir nehmen als Innovationsfeld das Thema Quantencomputing und wollen überlegen, wie wir Quantencomputing zukünftig für neue Dienstleistungen einsetzen können.", wenn man Schwierigkeiten hat das CM in den Griff zu kriegen. Wenn man keine Stärken im IT-Bereich, sondern woanders, hat, dann sollte man darauf Rücksicht nehmen, oder man muss überlegen, wie man solche Fähigkeiten gezielt aufbaut. Das Thema Assets und Fähigkeiten ist einfach ganz wichtig bei den Innovationsfeldern zu berücksichtigen, damit sie dann auch funktionieren.

Sebastian Metzner: Ein anderer Tipp, den ich euch ans Herz legen kann, ist, die Zielvorstellung im Vorfeld klar zu definieren. Wozu wollen wir diese Innovationsfelder im Unternehmen nutzen? Da sollte eine große Klarheit herrschen. Da geht es wirklich darum die Innovationsstrategie näher zu definieren, wenn man sagt: "Ja, unser Unternehmen hat eine Innovationsstrategie bis zum Jahr 2030. Darin sollen folgende Innovationsfelder einfließen, oder den Kern bilden.". Das ist eine Zielstellung, die man machen kann, es sehr vorstands- und geschäftsführernah aufzubauen. Der andere Schwerpunkt wäre vielleicht eher Innovationsprojekte zu priorisieren, also eher operativ zu agieren. Da muss man eine ganz andere Charakterisierung von Innovationsfeldern erstellen, die viel praxisnäher ist. Darüber müsst ihr euch einfach im Klaren sein. Die Zielstellung und die Verwendung bestimmt auch den Charakter dieser Innovationsfelder. Das ist ein wichtiger Tipp. Gibt es noch einen dritten Tipp Peter?

Peter von Aspern: Ja. Das klingt jetzt schon wieder so suggestiv, natürlich gibt es einen dritten Tipp. Und zwar ist es so, dass das Thema "Herleitung der Innovationsfelder" auch extrem wichtig ist, weil die saubere Herleitung einfach sicherstellt, dass die Innovationsfelder auch wirklich valide sind, weil sie ja für einen gewissen Zeitraum das Innovationsgeschehen des Unternehmens steuern und mitentscheiden, wohin die Budgets fließen. Da geht es am Ende des Tages teilweise ja um wirklich große Investitionen. Deshalb ist das saubere Herleiten von Innovationsfeldern extrem wichtig. Gleichzeitig will man natürlich auch schauen, dass man nicht nur Innovationsfelder baut, die sehr nahe am Kerngeschäft sind, sondern auch zukünftige Themen zu adressieren. Wir haben ja heute deshalb auch versucht drei Themen mit Zukunftspotential anzusprechen und euch nahezubringen. Aus dem Grund ist beispielsweise die Arbeit mit Trends auch ein ganz wichtiger Faktor, wenn man Innovationsfelder herleiten möchte. Wir hatten dazu ja auch schon mal eine Folge. Welche Folge war das Sebastian, in der wir über das Frontent und Trendradare gesprochen haben?

Sebastian Metzner: Das war Folge vier, fokussiert Innovieren.

Peter von Aspern: Genau. Da wird es alles genau erklärt, wie man solche Innovationsfelder sauber herleitet. Ein wichtiger Aspekt dabei ist eben auch das Trendradar, also, dass ihr für euch wirklich schaut, welche Trends für euch wichtig sind und wie ihr die Trends in eurem Umfeld bewertet, um dann diese Aspekte mit in das Innovationsfeld einfließen zu lassen und die Robustheit der Innovationsfelder für die Zukunft zu gewährleisten.

Sebastian Metzner: Natürlich, Peter hat es gesagt, ist ein langfristiges Steuerungsinstrument auch die Frage, wen ihr an der Ausarbeitung beteiligt. Das ist genauso relevant für die Akzeptanz und die Wirksamkeit dieser Innovationsfelder. Seid euch gewiss bei der Auswahl der Teilnehmer dieser Erstellung. Auch das ist maßgeblich relevant für die Wirksamkeit. Jetzt haben wir fast vier Tipps kurz und knapp am Ende zusammengefasst. Wer mehr zum ganzen Thema Innovationsfelder wissen will, kann uns gerne über podcast(at)trendone(dot)com, oder über unsere persönlichen LinkedIn Kanäle ansprechen. Wir freuen uns natürlich auf den Austausch. Heute haben wir drei Innovationsfelder exemplarisch vorgestellt. Viele Themen haben wir ausgelassen. Das ganze Thema Nachhaltigkeit spielt sicherlich eine ganz, ganz große Rolle für die Zukunft der Unternehmen. Das Thema der Cybersecurity ist ebenfalls ein riesiges Thema, resiliente Logistikketten ebenso. Die Innovationsfelder müssen niemals auf drei, oder vier beschränkt sein. Es gibt Unternehmen, die mit bis zu 20 Innovationsfeldern arbeiten. Hier ist eine große thematische Breite möglich. Habt vielen lieben Dank für das Zuhören bei der Folge 13.

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