Digitales Innovationsmanagement - Teil 1

Mit einer Doppelfolge gehen wir dem Thema "Aufbau eines digitalen Innovationsmanagements" auf den Grund. Der Einsatz von digitalen Tools und Lösungen für das Innovationsmanagement wird zunehmend auch ein Thema für den Mittelstand. Innovationsmanager:innen sollten wissen, auf welche Punkte und Kriterien sie bei der Auswahl geeigneter Tools und Lösungen für ihr Unternehmen achten müssen:

  • Remotisierung: Ist digitales Innovationsmanagement wichtiger geworden?
  • Die großen Herausforderungen auf Kundenseite
  • Digitales Innovationsmanagement: Tools und Lösungen
  • Tools für unterschiedliche Zwecke
  • Trends im digitalen Innovationsmanagement
  • Die Erfolgsfaktoren für Tools im digitalen Innovationsmanagement

Peter von Aspern
Director Trend Services, TRENDONE Hamburg

Sebastian Metzner
Chief Strategy Officer, TRENDONE Berlin

TRENDONE Podcast "Innovation geht anders" #9 Digitales Innovationsmanagement - Teil 1

Immer mehr Mittelständler setzen Tools für das digitale Innovationsmanagement ein. Zunehmend profitieren auch kleinere und mittlere Unternehmen davon.

Transkription Podcast-Episode #9 Digitales Innovationsmanagement - Teil 1 vom 23.09.2020 | 43 Min.

Sebastian Metzner: Und in dieser Doppelfolge befassen wir uns mit der Herausforderung, ein digitales Innovationsmanagement aufzubauen. Dazu stellen wir euch im ersten Teil des Podcastes die wichtigsten Anbieter von Innovationssoftware vor, denn in den letzten Jahren hat sich eine Vielzahl solcher Lösungen etabliert, die ganz unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. Was sollen Innovationsverantwortliche bei der Auswahl der richtigen Tools beachten? Hierfür haben wir euch vier Erfolgsfaktoren zusammengestellt. Innovationsverantwortliche wissen so, welche kritischen Entscheidungen auf sie zukommen und wie sie zu handeln sind. Also mitten rein in Folge neun. Hallo Peter, liebe Grüße heute Abend nach Hamburg. Wie immer ist es Montagabend. Wir nehmen unseren Podcast schon zu später Stunde auf. Wie ist es in Hamburg?

Peter von Aspern: Moin, Sebastian, schön, dass es wieder los geht.

Sebastian Metzner: Wir haben uns superviel vorgenommen, denn auch die neunte und zehnte Folge machen wir als Doppelfolge. Peter, was haben wir vor heute Abend?

Peter von Aspern: Genau, wir haben uns echt einiges vorgenommen zum Thema digitales Innovationsmanagement. Wir legen gleich los und geben euch erstmal einen Überblick über die Tools, die es da draußen im digitalen Innovationsmanagement so gibt, und verschaffen euch da erstmal einen kleinen Marktüberblick. Und dann gehen wir darauf ein, was so die Top vier Erfolgskriterien für erfolgreiches Projekt Setup und Toolauswahl sind. Als kleinen Ausblick schonmal, in dem zweiten Teil unserer Doppelfolge wird es dann darum gehen, was die vier wichtigsten Kriterien für eine erfolgreiche Implementierung sind. Und welche Erfahrungswerte wir da auch aus unseren Projekten mitbringen können.

Sebastian Metzner: Ich habe mich in der Vorbereitung zu der Folge ein bisschen gefragt, was denn eigentlich unser Bezug, den wir zu dem ganzen Thema digitales Innovationsmanagement haben, ist. Da wir ja schon fast mehr als zehn, 15 Jahre mit dem Thema unterwegs sind, was verbindet uns mit dem Thema digitales Innovationsmanagement?

Peter von Aspern: In unserem Alltag total viel. TRENDONE ist ja tatsächlich eine Firma, die schon sehr früh auf digitale Tools gesetzt hat. In unserer Micro-Trend-Forschung arbeiten wir schon seit vielen, vielen Jahren mit digitalen Tools. Wir haben da auch digitale Interfaces zu unseren Trendscouts beispielsweise mit dem Trendchecker. Das ist auch ein Tool, das wir genau für diesen Zweck sogar selbst entwickelt haben, aber auch unser komplettes CMS, mit dem wir arbeiten, in dem wir auch unsere Micro-Trends dann erstellen und auch Macro-Trends verwalten. Das nennen wir unsere Trendbase. Das ist unser Herzstück in unserer Content-Arbeit. Es ist ein selbstentwickeltes Tool. Sebastian, du hast das große Update-Projekt ja mit betreut jetzt auch schon in der dritten Version.

Stichwort Remotisierung: Ist digitales Innovationsmanagement wichtiger geworden?

Sebastian Metzner: Genau. Ich kann mich noch sehr, sehr gut an meinen allerersten Tag bei TRENDONE erinnern, als ich das erste Mal so in diese digitalen Tools reingeguckt und gestaunt habe, wie mit Inhalten, die ich aus der Trendforschung nur auf Papier vorher kannte, hier so digital umgegangen wird. Da bin ich fast nach hinten umgefallen, muss ich, ehrlich gesagt, gestehen. Du hast es gerade gesagt, wir haben unsere Tools, die wir vor allen Dingen intern benutzen, über die Jahre immer weiter iterativ verbessert. Das sind unsere Backend- und Frontend-Tools. Und für mich ist es, ehrlich gesagt, wie die Luft zum Atmen. Ich nehme diese Tools schon fast so wie Sauerstoff gar nicht mehr wahr, sondern das ist einfach eine natürliche Arbeitsumgebung. Ich schätze sie auch sehr sehr wert. Ich kann mir, wie gesagt, kaum noch vorstellen, ohne diese digitalen Tools zu arbeiten. Wir schauen auch immer wieder in die Frontend-Tools rein. Ich halte mich da selber mit unseren eigenen Kundentools so ein bisschen up to Date, weil ich in meinem operativen Arbeitsumfeld jetzt nicht mehr ganz so viel mit den Trendinhalten zu tun habe. Aber ich nutze die Sachen selbst und schaue immer wieder rein, was es dort so Neues gibt. Aber für mich ist das Thema nochmal mehr verstärkt in den Fokus gerückt. Die Relevanz ist mir auch nochmal so ein bisschen deutlich geworden. Peter, ist es so, dass das digitale Innovationsmanagement jetzt unter Covid-19 wichtiger geworden ist?

Peter von Aspern: Ja, natürlich. Das Stichwort Remotisierung, das haben wir ja schon in den letzten Folgen oft genannt. Das betrifft natürlich auch den Innovationsprozess und auch den Arbeitsalltag vieler Innovationsmanager. Dadurch ist natürlich auch nochmal dieser Handlungsdruck ein Stück weit gestiegen, diese Prozesse auch entsprechend digital abzubilden. Es ist jetzt natürlich auch nochmal durch die Home-Office-Situation extrem wichtiger geworden, auch gerade die Informationen zum Thema Teilhabe und Transparentmachen von Informationen auf der einen Seite zu sammeln, also zum Beispiel was für uns relevante Trends sind, was spannende Innovationen sind, die wir am Markt beobachten, und was sich generell am Markt tut, als es auch eben im Unternehmen für die relevanten Stakeholder sichtbar zu machen. Ich würde sagen, was vorher schon extrem wichtig war, jetzt aber nochmal durch die Coronakrise beschleunigt wurde, ist sicherlich das Gestalten und Transparentmachen von Prozessen, auch von Entscheidungsprozessen, zum Beispiel wenn wir jetzt auch an das Thema Ideenmanagement denken. Wenn wir uns jetzt das Thema Digitalisierung des Innovationsmanagements anschauen, ist die spannende Frage natürlich, was sind da eigentlich so die großen Herausforderungen auf Kundenseite. Sebastian, was denkst du, was würdest du da hervorheben?

Thema Digitalisierung des Innovationsmanagements: Welches sind die großen Herausforderungen auf Kundenseite?

Sebastian Metzner: Durch die Kundenprojekte, die wir natürlich immer wieder durchführen, und vor allem auch viel aus dem Kundenfeedback heraus gedacht, ist es tatsächlich so, dass eigentlich grundsätzlich ein ganzheitlicher Blick auf das Thema digitales Innovationsmanagement noch fehlt. Die Dimensionen dessen sind noch nicht so stark ausgeleuchtet. Du hattest es gerade gesagt, Peter, unter Covid hat das Thema natürlich nochmal an Relevanz gewonnen. Und in der Tat ist so die Frage, was verbirgt sich eigentlich hinter dem Thema digitales Innovationsmanagement. Das ist in vielen Unternehmen noch gar nicht so klar, es dort deutlich abzugrenzen und zu sagen, was eigentlich in Scope und was out Scope ist. Man ist schnell bei der Frage, welche Tools brauchen wir eigentlich. Und man ist ganz schnell bei der Frage, was sind die relevanten Toolanbieter. Das halte ich immer für zu schnell geschossen. Ja, das ist eine zentrale Frage, aber hier ist es wirklich so, dass man erst einmal die Ausgangsvoraussetzungen verstehen sollte, was sind die Probleme, dessen Lösung dann ein digitales Innovationsmanagement heißt. Sich also hier mit den Anforderungen und Problemen klar auseinanderzusetzen, sehe ich als zweites zentrales Kundenproblem. In der Tat sind so die kritischen Erfolgsfaktoren, worüber wir auch heute sprechen werden, unbekannt. Die Innovationsverantwortlichen wissen gar nicht, welche kritischen Entscheidungen sie zu treffen habe. Das würde ich ebenfalls so ansehen. Wir werden heute ein bisschen stärker darüber sprechen, was die Erfolgsfaktoren sind. Und ich denke auch, dass vor allen Dingen auch das Vorgehen bekannt sein sollte, also wie gehe ich jetzt vor, wie starte ich in das Thema rein, was sind so die ersten zwei, drei Schritte. Denn wir sind ja auch ein großer Verfechter davon, die Dinge von Anfang an richtig zu machen. Das holst du hinten raus nicht auf, wenn man von Anfang an die Sachen nicht richtig macht oder, auf Deutsch gesagt, versaut. Deswegen ist es ganz gut, sich von Anfang an mit den Dingen vertraut zu machen und da gut aufgestellt zu sein. Ich glaube, das sind so die relevanten Kundenprobleme, die wir immer wieder sehen. Und genau das haben wir heute auch so ein bisschen vor.

Peter von Aspern: Wir schauen uns als erstes Mal im Marktüberblick an, welche Tools es da draußen so am Markt und auch welche Gattungen von Tools es eigentlich so im Bereich des digitalen Innovationsmanagements gibt. Da gehen wir gleich einmal drüber. Dann im Anschluss schauen wir uns entsprechend, wie gesagt, diese Top vier Erfolgsfaktoren für das Thema Projekt Z und Toolauswahl an. Denn du hast es ja gerade schon gesagt, dieser Anfang, also diese Einführungsphase bei der Einführung von eben entsprechend digitalem Innovationsmanagement ist einfach extrem erfolgsentscheidend. Wir gehen da gleich noch näher drauf ein, warum das eben so ist.

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Digitales Innovationsmanagement: Tools und Lösungen

Sebastian Metzner: Lass uns doch mal in so eine typische Kundensituation eintauchen, Peter. Denn ich erlebe das ziemlich häufig, dass Innovationsmanager ganz klar vor der Herausforderung stehen, dass sie ihre Prozesse digitalisieren wollen, nun aber die Frage haben, dass sie gar nicht wissen, wie das eigentlich vonstattengeht. Es sind dann häufig eine Vielzahl von Anbietern und Tools in aller Munde. Lass uns mal vielleicht so ein bisschen durch die Landschaft dort gehen, pflügen wollte ich fast schon sagen. Denn im ersten muss den Innovationsverantwortlichen eigentlich so ein bisschen deutlich werden, welche Bedürfnisse sie eigentlich haben, welchen Problemen sie entsprechend gegenübergestellt sind und welche Tools es im Innovationsmanagement gibt. Vielleicht fangen wir damit mal an, einen kurzen Überblick zu geben

Peter von Aspern: Also in den letzten Jahren hat sich eine Vielzahl an Tools und Lösungen am Markt etabliert. Es gibt so ein paar, die inzwischen schon sehr groß geworden sind und die man auch durchaus als führende Anbieter bezeichnen kann. Da gibt es aber auch eine ganze Menge kleiner Player, die laufend auch in den Markt eintreten. Aber so die Großen, die man kennen sollte, sind zum einen HYPE. Die kommen hier aus Deutschland, aus Bonn. Dann gibt es ITONICS, das ist auch ein großer Player. Die sitzen in Nürnberg und Berlin. Dann gibt es auch etwas kleinere Firmen wie HLP, die machen Ideenmanagement. Die kommen aus Eschborn bei Frankfurt. Dann gibt es auch Qmarkets zum Beispiel. Davon haben vielleicht auch schonmal einige von euch gehört. Die kommen aus Israel und sind bekannt geworden unter anderem mit dem Thema Prediction Markets, machen aber auch klassisches Innovationsmanagement. Das ist auch eine sehr große internationale Firma. Da fällt mir noch innosabi ein. Das ist auch eine ganz spannende Firma, die aus München kommt, die zum Beispiel eher so den Fokus auf Innovationsökosysteme und Open Innovation haben.

Sind amerikanische Anbieter relevant für den europäischen Markt, oder sind gar chinesische Tools für digitales Innovationsmanagement ein Thema?

Sebastian Metzner: Das waren alles europäische Player. Peter, fällt dir spontan jemand aus dem amerikanischen Bereich ein? Ist dir da jemand begegnet? Spielen amerikanische Player hier in Europa eine große Rolle?

Peter von Aspern: Ja, klar, es gibt natürlich große amerikanische Player sowie Brightidea als ein Beispiel oder IdeaScale. Die sind auch richtig groß, weil einfach dieser amerikanische Markt auch logischerweise extrem groß ist und da auch der Reifegrad zum Teil ein anderer ist. Tatsächlich ist es aber so, dass hier im europäischen und auch im deutschsprachigen Raum tatsächlich eher europäische Player den Markt dominieren.

Sebastian Metzner: Das ist auch so mein Eindruck. China ist vielleicht ein spannendes Thema. Da kommen wir vielleicht nachher nochmal zu, wenn wir so ein bisschen über die Trends sprechen. Aber chinesische Anbieter sind mir in dem Feld gar nicht bekannt, weil natürlich auch so ein bisschen Knowhow-Ablfluss und Technologie-Abfluss droht. Chinesische Anbieter, ist das ein Thema für dich, Peter? Hast du das auf dem Schirm?

Peter von Aspern: Also ich könnte mir auf jeden Fall vorstellen, dass chinesische Unternehmen extrem spannend sind als Kunden. Aber chinesische Anbieter kann ich mir tatsächlich jetzt auch nur schwer vorstellen, denn man muss sich immer vorstellen, dass dieses ganze Thema Innovationsmanagement, gerade auch wenn es in Richtung der Umsetzung geht, natürlich ein extrem sicherheitskritisches Thema ist. Deshalb stoßen ja sogar schon amerikanische Unternehmen da auf Hürden, wenn sie (?eh nicht) sicherstellen können, dass man nach DSGVO arbeitet und die Server in Deutschland oder in Europa stehen. Von daher muss man da ganz klar sagen, dass da sicherlich einige Markteintrittsbarrieren für viele chinesische Player da sind, die das erstmal nicht so genau absehbar machen, würde ich sagen.

Sebastian Metzner: Ja, das Privacy-Shield ist ja auch vom NGH gekippt worden, was ja die Serverstandorte in Europa nochmal gestärkt hat. Deswegen bin ich da absolut bei dir. Du hattest so ein paar größere Unternehmen genannt, Peter. Lass uns so ein bisschen auf die Differenzierungen eingehen. Wie unterscheiden sich jetzt die unterschiedlichen Anbieter in ihren Einsatzzwecken?

Tools für unterschiedliche Zwecke - Innovationsmanagement, Ideenmanagement und Open-Innovation

Peter von Aspern: Jetzt haben wir eben gerade so ein paar Namen gehört, die können wir ganz gern auch nochmal vielleicht nach Gattung einsortieren. Einmal steht ganz am Anfang das Thema Trendmanagement. Wenn wir uns jetzt diese Kette des Innovationsprozesses anschauen, dann ist das Thema Trendmanagement ganz vorne. Da geht es eben darum, Trends zu identifizieren, Innovationen zu scouten, entsprechend auch Priorisierungen vorzunehmen, welche Themen tatsächlich wichtig sind, welche Themen ich clustern kann und was wichtige Trends sind. Da sind wir natürlich selber mit TRENDONE mit unseren Tools TRENDEXPLORER und vor allem dem Trendmanager am Start. Der andere große Player, der mir in dem Bereich einfällt und den wir eben schon genannt haben, würde ich sagen, ist ITONICS, die auch in dem Bereich Trendmanagements ihre Stärken haben. Die decken weite Bereiche noch ab hinten raus, aber kommen aus dem Trendmanagement und sind da zu verorten.

Sebastian Metzner: Das ist so der Anfang des Innovationsprozesses, den du gerade deutlich gemacht hast. Da fängt eigentlich so die Reise an, dass man sagen sollte, was eigentlich im Bereich des Trendmanagements unterwegs ist. Ideation ist der nächste große Part, vielleicht sagst du mal ein paar Worte zu den Anbietern in dem Bereich.

Peter von Aspern: Ideation ist der nächste große Part. Das ist oftmals auch der Part, mit dem Unternehmen auch gerne direkt einsteigen wollen. Das ist dann schonmal so der erste klassische Fehltritt, den man sich da erlauben kann. Ideation oder auch Ideenmanagement, das macht vor allem HYPE, das macht aber auch HLP aus Frankfurt. Und das ist so ein bisschen ein Thema, das aus dem betrieblichen Vorschlagswesen oder auch aus diesem KVP-Ansatz, also kontinuierliche Verbesserung, kommt. Deshalb ist es ja auch mitbestimmungspflichtig seitens des Betriebsrats. Daher kommt das, dass man eben versucht, Mitarbeiter partizipieren zu lassen und sich auch so ein bisschen die Weisheit der Masse zugänglich zu machen. Es wurde dann so ein bisschen auf das Thema Innovation umgemünzt. Heutzutage geht es eben dann darum, entsprechend Ideen einzureichen typischerweise basiert auf Kampagnen. Dann gehen diese Ideen durch so einen Stagegate-Prozess und werden dann bewertet. Am Ende des Tages werden die Ideen dann verfeinert, und die besten Ideen werden dann im Idealfall umgesetzt. Das kann dann eben sein, dass es sich um eine betriebliche Verbesserung handelt. Aber es kann eben auch genauso gut sein, dass es sich tatsächlich um ein Innovationsprojekt handelt, was sich dann aus so einem Prozess herausbilden kann. Das ist ein sehr, sehr spannendes und auch sehr komplexes Feld. Auch auf Kundenseite ist es sehr komplex, so etwas zu managen und solche Kampagnen zu fahren. Es gibt sogar auch Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, diese Ideenkampagnen zu betreuen. Die also quasi zwischen dem Kunden und diesem Toolanbieter stehen, zum Beispiel zwischen einem großen Flugzeugbauer und einer dieser genannten Softwareanbieter. Sie sind zum Teil nochmal ein Dienstleister dazwischen und helfen dann dabei, Ideenkampagnen entsprechend zu formulieren und dann auch diese ganzen Ideen eben entsprechend auch zu feedbacken und zu bewerten. Denn das ist ja immer so der große Workload, der dahinter steht, dass ja jede Idee gefeedbackt werden muss, sonst macht da der Mitarbeiter kein zweites Mal mit.

Sebastian Metzner: Ich denke, das ist das interessanteste Feld. Und das ist auch das älteste Feld, wenn man über das digitale Innovationsmanagement, also das ganze Thema Ideen-Sourcing, Ideenmanagement, spricht. Es gab auch viele Einsätze, die dann immer mehr auch stärker in die Schnittmengen des Open-Innovation-Teiles gereicht haben. Hier ist eigentlich in den letzten Jahren ein neuer Bereich entstanden. Du hast es mal als Innovationökosysteme überschrieben, Peter. Was verbirgt sich dahinter?

Digitale Innovationstools

Der Trendmanager ist das strategische Werkzeug für die Innovationsarbeit und die digitale Erstellung unternehmensspezifischer Trendradare. Micro-, Macro- und Mega-Trends können im Team ausgewählt, nach diversen Kriterien bewertet und in Innovationsfelder überführt werden. Der Trendmanager ist DAS Tool für Innovationsstrategen.

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In den letzten Jahren ist ein neuer Bereich entstanden. Was verbirgt sich hinter 'Innovationsökosystemen'?

Peter von Aspern: Da geht es eben entsprechend genau darum, dass mehrere Elemente und mehrere Teilhaber dieses Prozesses auch miteinander verknüpft werden. Also können entsprechend zum Beispiel auch Zulieferer in diesen Prozessen mit einbezogen werden, aber auf der anderen Seite natürlich auch die Kunden. Das ist also im Grunde dieser Open-Innovation-Ansatz. Und da gibt es dann Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, wie zum Beispiel innosabi aus München, die da in dem Bereich auf jeden Fall das führende Unternehmen sind. Auch was die wissenschaftliche Durchdringung von diesem Thema angeht, sind sie da echt richtig weit vorne.

Sebastian Metzner: Definitiv. Da können wir vielleicht gleich nochmal was zu sagen, wenn wir über die Trends in den Bereichen sprechen. Aber nochmal kurz nachgefragt, wie siehst denn du auf Unternehmensseite den Schwerpunkt im Einsatz? Sind dort vor allen Dingen die Großkonzerne sehr, sehr stark unterwegs mit dem Einsatz der Tools oder ist es der Mittelstand?

Welche Unternehmen setzen digitales Innovationsmanagement verstärkt ein?

Peter von Aspern: Aus der Historie heraus kommt das auf jeden Fall tatsächlich aus den großen Organisationen heraus. Da sind die großen Konzerne tatsächlich so die Vorreiter gewesen, weil die natürlich auch am ehesten und am frühesten diesen Schmerz verspürt haben, dass sie einfach auf digitale Lösungen angewiesen sind, um diese Komplexität einfach zu managen. Und das sieht man auch daran, dass zum Beispiel auch HYPE, der auch der führende Player in dem Bereich ist, als Spin-off von Daimler hervorgegangen ist. Wurde also aus Daimler heraus gegründet. Und daran sieht man schon, dass da quasi eben schon früh auch dann diese großen Konzerne diese Tools selber sogar teilweise Inhouse entwickelt haben. Wir beobachten aber jetzt schon seit einigen Jahren, dass auch immer mehr größere Mittelständler solche Tools im Einsatz haben. Was unter anderem auch damit zu tun hat, dass sich der cloudbasierte Ansatz auch immer mehr durchgesetzt hat, also eben entsprechend Software as a Service, was eben natürlich mit sehr viel weniger IT-Kosten einhergeht und auch weniger mit Kunden-Knowhow verknüpft ist, was IT angeht so. Das ist jetzt sehr stark auf dem Vormarsch. Das war lange auch wegen dieser Sicherheitsbedenken schwierig. Wir hatten es ja eben schon im Kontext von China kurz angerissen, dass da die Unternehmen eben sehr, sehr darauf bedacht waren, dass es nicht nur in Deutschland gehostet wird, sondern am besten im eigenen Keller auf den eigenen Servern stattfinden soll. Und je mehr man sich jetzt davon löst, umso mehr profitieren eben auch kleinere und mittlere Unternehmen davon und können solche Tools einsetzen.

Sebastian Metzner: Wir haben auch viel über den Punkt der bereichsübergreifenden Vernetzung gesprochen. Ich denke, der ist hier auch noch anzuführen, wenn man sich die Frage stellt, warum es Unternehmen zukünftig verstärkt einsetzen sollten. Denn das Thema Innovationen ist natürlich ein sehr stark dezentrales Thema. Und aus der Historie heraus sitzen gerade Mittelständler mit den Inkubatoren, mit den Acceleratoren, mit verschiedenen Startups, die man vielleicht hinzugekauft hat, mit verschiedenen Teams, die man vielleicht auch in Berlin oder Hamburg, in München, in Köln, also in den größeren Metropolen angesiedelt hat, häufig dann doch nicht in den innovativen urbanen Zentren. Und um attraktiv für innovative Mitarbeiter zu sein, muss man natürlich eine Art Infrastruktur schaffen, die bereichsübergreifendes Arbeiten ermöglicht und eben auch diese dezentralen Hubs anbietet. Das ist natürlich auch noch ein großer Vorteil von digitalen Innovationsmanagement-Tools, diese standortübergreifende Arbeit zu ermöglichen. Ich glaube, das spielt da auch noch mit rein und wird verstärkt noch wertvoller werden, wenn Unternehmen über solche Assets quasi verfügen.

Peter von Aspern: Gerade jetzt ja auch.

Was sind die Trends im digitalen Innovationsmanagement?

Sebastian Metzner: Genau, gerade jetzt in der Corona-Zeit. Lass uns vielleicht nochmal so ein Stück weit darüber sprechen. Du hattest es gerade angerissen, in den letzten fünf Jahren hat sich viel getan, sagtest du. Was sind denn eigentlich so die Trends in dem Bereich? Was steht uns vielleicht in den nächsten drei bis fünf Jahren vor der Tür im Thema digitales Innovationsmanagement? Welche Entwicklungen sind hier zu erwarten?

Peter von Aspern: Natürlich zum einen das Thema künstliche Intelligenz. Das ist natürlich wenig überraschend im IT-Kontext. Aber tatsächlich ist es so, dass wir aktuell schon Unternehmen beobachten, die so etwas einsetzen, zum Beispiel …#00:21:07# in Berlin, was übrigens auch ein Spin-off eines größeren Konzerns ist und aus Volkswagen heraus gegründet wurde, oder auch MerchFlow. Das sind Unternehmen, die entsprechend mit smarten Crawling-Algorithmen in der Lage sind, Patente zu crawlen oder auch Startups, relevante News oder Technologien clustern können. Die also einfach dabei helfen, mit dieser Informationsflut umzugehen, gerade wenn man in die Tiefe geht. Das heißt, wenn ich jetzt so im R&D-Bereich unterwegs bin und mich wirklich spezifisch dafür interessiere, wie eigentlich die Situation zum Beispiel im Bereich Leader ist, also welche Unternehmen es da gibt, welche Startups und Universitäten dafür sind, welche Patente dafür angemeldet wurden, da können solche Tools entsprechend helfen, diese Information schnell verfügbar zu machen. Das steht aber alles immer noch eher so am Anfang, aber das wird sich in den nächsten Jahren sicherlich rasant entwickeln.

Sebastian Metzner: Das denke ich auch. Also auch wir im Rahmen von TRENDONE haben ja 2012 mal probiert, mit Crawling-Technologien hier ganz, ganz stark am Markt aktiv zu sein und verschiedene Eigenentwicklungen anzustreben. Und wir haben gemerkt, dass es hier auf das entsprechende Timing im Markt ankommt. Wir haben das damals (?CETS) genannt, Computer Edit Trendscouting. Wir würden gerne, dass uns Klassifikatorensysteme bei der Einkategorisierung von Trends helfen. Das haben wir auch verschieden getestet. Ich weiß nicht, ob du dich daran erinnern kannst, wir haben auch mit IBM Watson zusammen dort wirklich umfangreiche Tests gefahren und gemerkt, dass dies dann doch ein Feld für Spezialanbieter ist, in dem man nicht so einfach mitmischen kann. Aber das ist ein superspannendes Thema, wie ich finde. Ich glaube, hier wird in den nächsten wahrscheinlich fünf bis zehn Jahren viel passieren. Und die Frage ist in der Tat noch, ob wirklich Menschen zukünftig noch wirklich Trends erkennen oder ob das Algorithmen nicht zukünftig besser machen können und auch ob Algorithmen eventuell bessere und innovativere Ideen zutage fördern können. Wir sehen das ja, wenn wir unsere Micro-Trends anschauen, dass man vor allen Dingen auch im künstlerischen Bereich wirklich von Musikstücken bis Filmtrailern Algorithmen erstellen kann, die jetzt nicht auf dem klassischen Pfade von der Identifikation von Herzinfarkten zum Beispiel unterwegs sind. Also wo man ganz klare Suchparameter hat und wo es wirklich um eine kreative, künstlerische Leistung geht. Da bin ich wirklich gespannt, ob wir zukünftig innovative Ideen auch von Algorithmen sehen. Nochmal übergeleitet, Peter, neben dem Thema KI gibt es das Thema Ökosysteme. Wir hatten es gerade schon erwähnt, das ist auch ein Feld, auf dem massiv viel passiert. Vielleicht erklärst du nochmal zwei, drei Sätze zu dem Thema.

Peter von Aspern: Das Thema Ökosysteme ist auch eher ein Thema, was aus großen Organisationen jetzt herauskommt. Aber da geht es natürlich primär darum, Dinge zu vernetzen. Das heißt, eben einmal Innovatoren im Unternehmen zum Beispiel mit Expert Findern entsprechend zu vernetzen. Und da geht es aber eben auch darum, entsprechend besser auch die Experten im eigenen Unternehmen mit Experten zum Beispiel zu vernetzen, die beispielsweise in Zuliefererfirmen sitzen, also einfach da diese Mensch-zu-Mensch-Ebene zu stärken. Aber natürlich geht es auch darum, dass, wenn man jetzt sagt, man ist zum Beispiel dabei, nach neuen Ansätzen für bestimmte Problemstellungen zu suchen, dann ist es zum Beispiel in der Automobilindustrie ja so, dass eben ein großer Teil der Wertschöpfung und auch der Innovationsleistung eben eher so im Bereich der Zuliefererunternehmen passiert. Deshalb ist es da zum Beispiel auch ganz entscheidend, dass man es eben entsprechend schafft, auch in sein digitales Innovationsmanagement beispielsweise Zulieferer einzubeziehen und idealerweise natürlich auch entsprechend Kundenfeedback zum Beispiel auch aus dem Vertrieb heraus da einfließen zu lassen. Und das ist natürlich eine ganz schön komplexe Geschichte. Dementsprechend sind da auch eher die größeren Player am Markt auf dem Thema entsprechend unterwegs. Wir können uns das Ganze zukünftig auch so ein bisschen wie eine Art App Store vorstellen, das ist auch natürlich noch ein Aspekt. Also dass quasi diese größeren Plattformen wie HYPE, wir sind ja auch ein Partner von HYPE und MAPEGY beispielsweise auch, zum Beispiel eben eine Vielzahl von Partnern wie TRENDONE, also so einen Spezialanbieter für ganz spezifische Fragestellungen einfach in ihr Ökosystem mit einbeziehen.

Sebastian Metzner: Also Platform as a Service vielleicht als großes Geschäftsmodell dahinter, was natürlich angestrebt wird. Und hier ist natürlich der Ansatz so, dass man sagt, desto mehr externe Stakeholder man einbindet, desto größer ist die Innovationskraft. Das ist sicherlich ein Argument, dem man folgen kann. Es wird sich aber auch sicherlich in den kommenden Jahren beweisen müssen, was die externen Quellen, du hast sie aufgezählt, angefangen von Zulieferern, von Kunden, vielleicht von Wissenschaftlern, vielleicht von externen Startups oder Künstlern, was man nicht alles anbinden kann in die Innovationsmanagementsysteme, hier wirklich sind, die am innovativsten sind oder welche innovativen Impulse dort hineingegeben werden können. Denn es heißt natürlich nicht, dass mit dem Anstieg der Informationsmenge auch die Qualität der Ideen hier zum Beispiel steigen wird. Aber ich finde solche Ansätze immer sehr, sehr spannend und bin dem auch total offen gegenüber, weil ich sage, dem Innovationsthema sind keine Grenzen gesetzt. Nur wer die Grenzen nach außen verschiebt, der gewinnt am Ende. Und ich finde das insgesamt eine sehr, sehr lobenswerte Sache.

Peter von Aspern: Das auf jeden Fall total spannend zu beobachten. Ich bin auch sehr gespannt, was sich da durchsetzt.

TRENDONE Sandro Megerle, Senior Trend Analyst

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Auf die richtige Lösung setzen: Die Erfolgsfaktoren für Tools im digitalen Innovationsmanagement

Sebastian Metzner: Schön. Wir wollten euch insgesamt so einen kleinen Marktüberblick geben, was an Tools und Anbietern draußen unterwegs ist und was sie differenziert. Denn in der Tat ist es schon sehr, sehr stark, dass man sich mit der Frage auseinandersetzen sollte, welcher Anbieter der richtige ist. Wir haben insgesamt nochmal acht Erfolgsfaktoren identifiziert, die vor allen Dingen auf unseren Erfahrungswerten basieren. Jetzt im ersten Teil stellen wir euch die vier wichtigsten vor. Peter, lass uns direkt rein starten in das Thema. Du hast die schöne Überschrift, nichts geht ohne Scoping, gewählt. Erklär kurz, was sich dahinter verbirgt.

Nichts geht ohne Scoping

Peter von Aspern: Jetzt geht es los mit den Top 4 Erfolgsfaktoren für Projekt Setup und Toolauswahl. Nichts geht ohne Scoping ist einfach so ein extrem wichtiger Schritt, wo wir auch gemerkt habe, dass, wenn man den überspringt, man einfach im Nachhinein so viele Probleme und Schwierigkeiten im Implementierungsprozess haben kann, dass du das kaum noch ausgebadet kriegst. Also ist der erste Schritt einfach sich wirklich entsprechend sauber aufzumalen, was ich eigentlich erreichen will. Was ist eigentlich die Zielstellung. Warum beschäftigte ich mich jetzt mit digitalem Innovationsmanagement. Warum habe ich jetzt vielleicht als Innovationsmanager eigentlich den Auftrag hier, mir die Toollandschaft anzugucken und ein Tool auszuwählen. Was ist denn überhaupt eigentlich erstmal so das Ziel. Was will ich erreichen. Wer sind meine Stakeholder. Wann sind meine Stakeholder zufrieden. Wann würden die sagen, dass wir unser Projektziel erreicht haben. Das wird so oft eben als selbstverständlich oder gegeben oder als klar vorausgesetzt, das ist es aber eben oft gar nicht. Da würde ich sagen, das ist einfach die allerwichtigste Grundlage, für die man sich auch wirklich Zeit nehmen sollte. Und erst dann kommt das Thema Tool oder IT-Lösung.

Sebastian Metzner: Das ist, ehrlich gesagt, auch meine Wahrnehmung. Häufig wird dieser Schritt relativ schnell übersprungen, weil doch intern alles klar wäre, und die Entscheider wüssten, worum es geht. Nein, ich glaube, hier ist wirklich ganz, ganz wichtig, in Partizipation zu denken, alle Stakeholder abzuholen, einzubeziehen und auch ein klares Management-Alignment zu haben. Denn die Dinge sind häufig nicht, wie sie scheinen. Und wir merken es selber in unseren Projekten, wenn man hier einmal wirklich die Punkte durchspricht, ergibt sich auf einmal sehr, sehr viel Rede- und Diskussionsbedarf. Und es hat sich bis jetzt immer gezeigt, dass, wenn man die Sachen ausdiskutiert, wenn man sie sich klar zurechtlegt, ein großer Mehrwert entsteht und ein gutes Fundament gelegt ist, auf dem man dann auch sämtliche Dinge aufbauen kann. Ich würde sagen, das ist der aller allerwichtigste Tipp, den man auf jeden Fall beherzigen sollte. Nichts geht quasi ohne Scoping, das ist das, was wir auf jeden Fall mitgeben. Der zweite Punkt der Erfolgsfaktoren hat ebenfalls eine sehr, sehr knackige Überschrift. Nicht in Tools denken, sondern in Lösungen, hast du drüber geschrieben, Peter. Was verbirgt sich denn dahinter?

Nicht in Tools denken, sondern in Lösungen

Peter von Aspern: Genau, das ist jetzt die Frage. Die baut natürlich auf dem ersten Punkt auf. Das heißt, wenn ich mir jetzt darüber klar bin, was eigentlich die Ziele sind und wann für mich das Projekt ein Erfolg ist, dann geht es natürlich darum, sich entsprechend zu überlegen, wie ich jetzt dahin komme. Und dabei ist entsprechend das Tool, also das Werkzeug, nur ein Element davon. Und es gehören eben noch weitere Dinge dazu, damit ich mein Ziel entsprechend erreichen kann. Das sind zum Beispiel Dinge wie natürlich Prozesse, also wie soll das ablaufen, wer ist dafür verantwortlich, wer hat da den Hut auf, gibt es da eigentlich einen Rollout-Prozess, wie sieht es aus mit dem Thema Inhalte. Das alles sind ja Themen, die rund um das Tool herumschwirren, aber meistens in der technischen Lösung eben nicht inkludiert sind.

Sebastian Metzner: Ich denke, das ist ganz, ganz wichtig, sich bezüglich der eigenen Rahmenbedingungen, auf das spielst du ja sehr, sehr stark an, Peter, da die Frage zu stellen, was passt auch am besten zu uns. Was für eine Kultur, was für Mitarbeiter haben wir hier. In welche Umgebung, in welches Umfeld wollen wir das Tool implementieren. Denn häufig denkt man immer, dass das Tool wie so eine heilige Kuh ist und alle unsere Probleme lösen wird. Hinterher kommt dann häufig der erhellende Moment, dass man dann feststellt, dass es das ja eben doch nicht tut. Warum? Weil das Tool tatsächlich nicht die alleinige Lösung, sondern nur ein Werkzeug ist. Und deswegen ist es ganz, ganz gut, sich diesen Problemen, diesen Umfeldbedingungen zu stellen und zu schauen, was wirkt, was wirkt nicht.

Peter von Aspern: Wenn man da jetzt vielleicht im eigenen Unternehmen auch mehr Insides zu haben will, dann wäre der Tipp, auch nochmal rauszufinden, wer im eigenen Unternehmen für das Thema CM-Tool verantwortlich ist und denjenigen mal zu fragen, welche guten Tipps derjenige zum Einführen von Tools geben kann. Das ist ernst gemeint, das kann einfach auch nochmal tatsächlich so eine interne Quelle sein, wo man sich da nochmal zu schlau machen kann.

Trendmanagement kommt vor Ideenmanagement

Sebastian Metzner: Denn in der Tat hat man nicht viele Versuche, solche Systeme einzuführen, deswegen sollte man vorab die Sachen richtig machen. Der dritte Punkt ist eigentlich ein ganz klassischer Fehler, den wir eigentlich immer wieder beobachten. Die Überschrift hier ist, das Trendmanagement kommt vor dem Ideenmanagement.

Peter von Aspern: Ich hatte es ja eben schonmal kurz angerissen, dass oft das Thema Ideenmanagement für viele so der Startpunkt ist, wenn man an das Thema digitales Innovationsmanagement denkt. Ich weiß eigentlich auch selber gar nicht, warum das eigentlich so ist, aber es ist irgendwie wirklich so. Ich vermute, es liegt daran, dass es das Thema Ideenmanagement einfach schon sehr lange gibt und einfach in dem Kontext Innovationsmanagement eins der bekanntesten Themen vielleicht ist, was vielleicht auch durch dieses betriebliche Vorschlagswesen im Unternehmen einfach im anderen Kontext schon so gegeben ist. Daher hört man eben oft, dass man in diesem Thema Ideenmanagement oder einfach auch mit Ideen, Ideation, direkt einsteigen will. Wir wollen ja innovativ sein, deshalb braucht man ja Ideen, und wir wollen ja am besten gleich in die Umsetzung gehen. Daher kommt das so ein bisschen. Und das kann man entsprechend überhaupt nicht auf die Einführung auf ein Ideenmanagement-Tool übertragen. Denn auch ganz praktisch gesehen ist es so, dass, wenn ich jetzt zum Beispiel Ideenmanagement machen will, dann muss ich ja Kampagnen fahren. Also ich kann jetzt ja nicht sagen, liebe Mitarbeiter, schickt mir mal all eure Ideen, die ihr irgendwie so habt, ich bewerte die jetzt auch alle und nehme mir dafür drei Jahre Zeit, sondern ich muss ja entsprechend Kampagnen vornehmen. Ich muss ja sagen, zu welchem Thema ich Ideen suche. Und das herauszufinden, zu welchem Thema ich eigentlich Ideen suche, das ist eine extrem wichtige Entscheidung, die man treffen muss. Das hat ja auch ganz viel mit dem Thema Innovationsfelder zu tun, dass ich eben entsprechend genau eruieren muss, in welchen Bereichen ich jetzt Ideen sammeln will. Und dafür brauche ich eben ein vernünftiges Trendmanagement, weil mir das Trendmanagement dabei entsprechend hilft, einfach die externen Trends und die externen Entwicklungen sauber zu erfassen, die auch mit den eigenen Unternehmenskoordinaten abzugleichen und daraus eben eine saubere Beweisführung fahren zu können, was jetzt geeignete Innovationsfelder sind. Und das ist einfach dann eben auch mal die Grundlage, die man braucht, um entsprechend ein Ideenmanagement zu machen. Das haben wir zum Beispiel auch oft im Kontext von HYPE gehört, dass das oft eben auch ein Problem ist, dass, wenn die jetzt mit Kunden sprechen, diese Hausaufgabe eben oftmals einfach nicht gemacht ist. Es gibt also kein Trendmanagement. Es gibt keine klare Vorstellung davon, was sind jetzt wichtige Innovationsfelder für uns. Das bringt natürlich solche Unternehmen, die Ideenmanagement anbieten, auch in Verlegenheit, weil das einfach dann schwierig ist, so etwas erfolgreich einzuführen. Deshalb sollte Trendmanagement unbedingt vor Ideenmanagement kommen. Beschäftigt euch also erst mit den Trends, und leitet sauber her, in welchen Bereichen ihr überhaupt innovieren wollt. Und erst dann kommt das Thema Ideenmanagement.

Sebastian Metzner: Ich denke, hier kann man auch ganz klar in so einem linearen Innovationsprozess denken. Denn was nutzen einem Ideen, wenn man das Fundament nicht hergestellt hat. Ich glaube, hier ist eigentlich schon ein Stück weit die Wasserfalllogik wichtig. Auch wenn sie nicht hundertprozentig da ist, bestimmt es aber einfach die Wirksamkeit, das Ganze auf ein solides Fundament zu stellen. Das ist vielleicht immer so ein bisschen die Metapher, die ich auch immer wieder benutze. Der wirksamere Schritt ist auf jeden Fall, sich erst um die Trends zu kümmern, ein Fundament zu bauen und dann das Ideenmanagement drauf aufzusetzen. Ansonsten ist es, glaube ich, so, dass man eventuell etwas mehr Geld versenkt. Und diese Erkenntnis würden wir euch gerne sparen. Lass uns vielleicht als vierten Punkt nochmal darauf überleiten, es darf auch gern mal etwas von der Stange sein.

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Maßanzug vs. Massenware

Peter von Aspern: Ich sage gleich, worum es eigentlich, ganz nüchtern gesprochen, geht. Im Großen und Ganzen geht es natürlich darum, dass also gerade größere Organisationen gerade oft eben superspezifische Anforderungen haben. Die wollen eher so den Maßanzug haben, sage ich jetzt mal, also eben nicht von der Stange. Die brauchen einfach Tools, die darauf Rücksicht nehmen, dass sie eine bestimmte IT-Landschaft, zum Beispiel eben auch einen starken Betriebsrat und gewisse historisch gewachsene Strukturen haben. Da kann es total legitime Gründe auch für geben, dass man da jetzt eher der Maßanzugskunde ist. Aber für eine Vielzahl von Unternehmen, die gerade auch mal zu dem Thema starten wollen, empfehlen wir, tatsächlich eher mit standardisierten Lösungen zu gehen, das sagt uns so unsere Erfahrung. Also eben etwas von der Stange zu nehmen, wenn man so will, was einfach die Vorteile hat, dass man, wenn man so ein Tool hernimmt, einfach immer schon so einen Blueprint mit dabeihat, wie quasi die Idee eines Prozesses auch ist, den dieses Tool ja so abbildet. Da hast du also eben auch schonmal so eine Orientierung, wie man da verfahren soll. Das heißt, diese Workflows sind gegeben, und man hat einfach auch weniger IT-Kosten, wenn man im Wesentlichen eben nur diese Lizenzkosten und ganz wenig Anpassungskosten hat. Du kannst eben relativ schnell loslegen. Und du kannst dich entsprechend auch viel mehr um inhaltliche Themen kümmern und hast dann nicht so viel IT-Themen. Und was ich eben schon meinte, rein nüchtern und technisch gesprochen, ist das eben oft der Unterschied zwischen einer cloudbasierten Lösung, also Software as a Service, das kennt ja inzwischen auch jeder, oder eben so einer On-Premise-Geschichte, wo eben tatsächlich bei mir im Keller auf dem Server die ganze Geschichte eingespielt wird, was einfach eine ganz andere Komplexität ist. Aber wie gesagt, es gibt definitiv auch Fälle, wo das angebracht ist und wo das auch von der Skalierung her Sinn macht. Aber gerade für mittlere Unternehmen, also Mittelständler und auch größere Mittelständler, empfehlen wir immer, eher mit der standardisierten Lösung zu starten, einfach um auch so ein bisschen mehr Management-Intention und Manpower auf Prozesse und Inhalte richten zu können.

Sebastian Metzner: Genau auf die Rahmenbedingungen, die wir gerade schonmal betont haben. Denn ich glaube, das, was es im Endeffekt auch killt, ist, dass ich sehr, sehr viel Admin-Aufwand mit diesen Tools schieben kann. Darauf kommen wir in der zweiten Folge oder im zweiten Teil unsere Folge nochmal stark. Das lenkt aber nämlich eigentlich vom Kern ab, mit den Inhalten zu arbeiten und die Mitarbeiter in die Tools reinzuholen. Das heißt, haltet vielleicht den Administrationsaufwand gering. Fangt, gerade wenn ihr anfangen wollt, mit einer ganz normalen Standardlösung an. Von dem Ausgangspunkt kann man sich immer noch entwickeln und schauen, was die individuellen Bedürfnisse sind und wo man was mit anpassen muss. Das ist dann vielleicht der zweite Schritt. Aber um zu starten, ist wahrscheinlich die Standardlösung erstmal die erfolgreichere, weil es hier schon auch um Geschwindigkeit geht, glaube ich, die man nicht unterschätzen sollte. Ich glaube, das ist nochmal so ein großer Vorteil, den man aufbauen kann, wenn man erstmal eine Software-as-a-Service-Lösung wählt.

Implementierung - Teil 2

Peter von Aspern: Und da geht es auch schon entsprechend in den Bereich Implementierung rein. Das ist dann der Teil, den wir uns in unserer zweiten Doppelfolge nochmal näher anschauen werden. Denn das ist dann wirklich der kritische Teil, wie ich denn eigentlich meine ausgewählte Lösung auch zum Laufen kriege und einfach wirklich sicherstelle, dass es auch intern einfach funktioniert, gelebt und angenommen wird. Das wird oft auch massiv unterschätzt, was man da an Aufwand reinstecken muss, dass so etwas wirklich zum Fliegen kommt. Da gehen wir im zweiten Teil nochmal näher drauf ein.

Sebastian Metzner: Gut, Peter, machen wir erstmal den Deckel auf den ersten Teil zum digitalen Innovationsmanagement drauf. Ich freue mich schon auf die zweite Runde mit dir. Es bleibt abschließend zu sagen, vielen, vielen lieben Dank für das Zuhören. Wie immer empfehlen wir euch, abonniert gerne den Podcast, dann verpasst ihr auch nicht den zweiten Teil dieser Folge. Wir freuen uns natürlich immer sehr, sehr darüber, wenn ihr uns an Kollegen und Freunde weiterempfehlt. Habt vielen Dank für das Zuhören. Peter, liebe, liebe Grüße nach Hamburg, mach es gut und hab noch einen schönen Abend und komm gut durch die Woche. Tschüss Peter.

Peter von Aspern: Liebe Grüße nach Berlin. Dir auch noch einen schönen Abend und eine schöne Woche, ciao, ciao.

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