Trendradar für den Mittelstand mit Torsten Rehder

In Episode #34 beantworten wir die Frage, auf welche Trends es zukünftig im Mittelstand ankommt. Gemeinsam mit unserem Gast Torsten Rehder, Senior Innovation Advisor bei TRENDONE und Mitautor des Trendradars für den Mittelstand, gehen wir neben den Themen Nachhaltigkeit, New Work und Plattform-Ökonomie den insgesamt 6 Mega-Trends und 24 Macro-Trends auf den Grund, die für den Radar identifiziert wurden.

Per Online-Umfrage wurden über 150 Innovationsverantwortliche aus 12 Branchen um ihre Einschätzung gebeten. Die Schlüsselergebnisse der Befragung besprechen wir im zweiten Teil der Episode.

Am Ende des Podcast erfahrt ihr, wie gut der Mittelstand generell im Umgang mit den Trends aufgestellt ist und was Innovationsverantwortliche in Ihren Unternehmen tun können, um noch vorhandene Kompetenzlücken zu schließen.

Peter von Aspern
Director Trend Services, TRENDONE Hamburg

Sebastian Metzner
Chief Strategy Officer, TRENDONE Berlin

TRENDONE Podcast Episode #34 Trendradar für den Mittelstand mit Torsten Rehder

Die Kernfrage ist, auf welche Trends es wirklich ankommt.

Transkription Podcast-Episode #34 Trendradar für den Mittelstand vom 15.09.2021 | 63 Min.

Sebastian Metzner: Unser heutiges Thema ist der Trendradar für den Mittelstand. Darüber sprechen wir mit Thorsten Rehder. Er ist Senior Innovation Advisor bei TRENDONE und Mitautor des Trendradars. Im ersten Teil der Folge stellen wir die Frage, auf welche Trends es zukünftig im Mittelstand ankommt. Neben den großen Themen Nachhaltigkeit, New Work und Plattform Ökonomie wurden sechs Mega-Trends und 24 Macro-Trends für den Radar identifiziert. Per online Umfrage wurden insgesamt 150 Innovationsverantwortliche um ihre Einschätzung gebeten. Die Schlüsselergebnisse der Befragung besprechen wir im zweiten Teil der Folge. Am Ende des Podcasts erfahrt ihr, wie gut der Mittelstand im Umgang mit den Trends aufgestellt ist und was Innovationsverantwortliche tun können, um ihre Kompetenzlücken schon heute zu schließen. Also nun mitten rein in Folge 34.

Peter von Aspern: Herzlich willkommen zum führenden Innovationspodcast Innovation geht anders mit mir, Peter von Aspern aus Hamburg und wie immer zugeschaltet aus Berlin-.

Sebastian Metzner: -Ist Sebastian Metzner. Auch von mir ein herzliches Willkommen zur heutigen Folge. Wir stellen heute wieder einmal den Trendradar in den Mittelpunkt. Du stimmst sicherlich mit mir überein. Der Trendradar ist aus unserer Sicht eines der wichtigsten Instrumente, um Wirksamkeit im Innovationsprozess herzustellen. Dem Thema wollen wir heute eine ganze Folge widmen. Der Trendradar beantwortet aus unserer Sicht die wichtigste Frage, nämlich auf welche Trends sich ein Unternehmen oder das Innovationsmanagement fokussieren sollte oder muss. Dort ist es so, dass das Thema Fokus und Klarheit in der Corona Zeit nochmal stärker in den Mittelpunkt gerutscht und an Bedeutung gewonnen hat. Ich glaube, die Pandemie hat schon eine Dynamisierung des gesamten Geschäftsumfeldes bewirkt. Das können wir am Anfang diskutieren. Wie siehst du das? Stimmst du überein oder sagst du eher nicht?

Peter von Aspern: Das ist fast schon eine rhetorische Frage. Absolut. Natürlich hat die Corona-Krise durch ihre allseits bekannte katalytische Wirkung zu Dynamisierung im Unternehmensumfeld geführt. Ein Stück weit hat sie vielleicht zu Überforderung der Unternehmen geführt. Vorher waren wir schon in durchaus dynamischen Zeiten unterwegs. Die Corona Krise hat das absolut verschärft und dazu geführt, dass der Zeitraum zwischen Aktion und Reaktion immer kürzer wird. Man muss also immer schneller auf diese Wandlungsphänomene reagieren. Das spüren die Mitarbeitenden im Innovationsmanagement an erster Front, wie das Tempo merklich angeht. Das Thema Fokus bleibt umso mehr wichtig. Wir haben auch beobachtet, dass die Dynamisierung gerade am stärksten auf den Mittelstand zutrifft. Hier war das Umfeld in den meisten Märkten vorher eher relativ stabil. Wir hatten eher langfristige Themen, die relevant waren. Einige dieser Themen, wie beispielsweise Automatisierung, Digitalisierung werden von relevant zu gerade hochgradig dringlich geshiftet. Das Thema New Work ist gerade wichtig geworden, wo es darum geht, Talente zu binden, gerade zu der aktuellen Zeit der Remotsierung, wo Arbeitgeber etwas Austauschbarer werden. Hier ist besonders wichtig, gute Antworten zu finden, wie Unternehmen mit New Work umgehen sollten. Zum Schluss möchte ich das weitere Thema der Nachhaltigkeit nennen. Da ist die Bedeutung des Themas glücklicherweise massiv in den Vordergrund gerückt und darf auf keinem Trendradar fehlen.

Sebastian Metzner: Die Kernfrage ist, auf welche Trends es wirklich ankommt. Der Dschungel gerade an Mega- und Macro-Trends ist wirklich groß. An jeder Ecke kannst du heute Trends nachlesen. Früher war das anders. Die Fülle an Trends ist explodiert. Auf welche Trends muss sich der Mittelstand besonders fokussieren und darauf setzen? Um das gut diskutieren zu können, haben wir bei TRENDONE einen Trendradar für den Mittelstand gemeinsam mit dem Bundesverband der deutschen Industrie erstellt. Zu Gast haben wir heute Thorsten Rehder, der unser Kollege bei TRENDONE ist und gemeinsam mit seinem Team diesen Mittelstandsradar erstellt hat. Hallo Thorsten. Herzlich willkommen heute bei uns im Podcast.

Torsten Rehder: Hallo Sebastian und Peter. Vielen Dank für die erneute Einladung. Ich war ja schon einmal bei euch zu Gast. Vielen Dank, dass ihr euch nochmal dazu entschieden habt, mich einzuladen.

Peter von Aspern: Thorsten, du bist auf dem Weg zum Stammgast. Magst du dich, obwohl du schon einmal dabei warst für die Zuhörerinnen kurz vorstellen? Was machst du bei TRENDONE und an welchen Themen arbeitest du gerade?

Torsten Rehder: Sehr gerne. Dieses Jahr bin ich tatsächlich 15 Jahre bei TRENDONE. Ich hatte ein kleines Jubiläum. Auf dem Sommerfest habe ich ein schönes Geschenk bekommen. Vielen Dank nochmal an alle. Ich bin tatsächlich seit 15 Jahren bei TRENDONE dabei. In der Zeit hatte ich lange Jahre den Research aufgebaut und geleitet und ein Trendscouting Netzwerk aufgebaut. Mit einem Kollegen habe ich dann die Innovation Services gegründet. Da haben wir gemerkt, dass es nicht nur um die Identifikation und Veröffentlichung von Trends, sondern auch was man damit macht, geht. Das ist jetzt auch acht Jahre her. Ich bin Senior Innovation Advisor. Ich bin also sehr stark im Projektgeschäft eingebunden. Wir installieren Früherkennungs- und Frühwarnsysteme für Veränderung, wie wir es immer nennen im Unternehmen. Dabei ist der Trendradar ein großes Thema als Framework in dieser Phase. Das mache ich sehr gerne und sehr häufig. Vom Automotive bis zu Logistik habe ich gerade Projekte, wie auch bei Themen wie Gesundheit, die gerade stark nachgefragt sind.

Sebastian Metzner: Lass uns über den Trendradar sprechen. Im letzten Jahr hast du mit der Kollegin Sarah Behrens den Technology Trend Radar herausgegeben. Da habt ihr untersucht, welche wichtigen Technologietrends im Mittelpunkt stehen. Dieses Jahr hast du dich um den Mittelstandsradar gekümmert und hast geschaut, welche Themen im Mittelstand kommen. Du bist bei uns Mister Trendradar. Lass uns darüber einsteigen, was für dich den Reiz ausmacht, mit Trendradars zu arbeiten. Warum beschäftigst du dich liebendgern mit diesem Thema?

Der Trendradar für den Mittelstand

TRENDONE präsentiert in Kooperation mit dem BDI die 24 wichtigsten Trends 2021+ für den Mittelstand, bewertet vom Mittelstand.

  • 153 Teilnehmer:innen

  • 24 Macro-Trends

  • 12 Branchen

Der Trendradar für den Mittelstand im PDF-Format (9,8 MB).
 

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Was macht die Arbeit mit Trendradaren aus?

Torsten Rehder: Das ist eine schöne Frage. Mich fasziniert immer wieder und ich freue mich im Projekt auf den Enlightning Moment, der zwangsläufig kommt. Am Anfang hast du die sehr diffuse, komplexe Welt der Trends und Wandelwelt deskriptiv aufbereitet. Es sind viele Trends, die mittel- oder unmittelbar für das jeweilige Unternehmen relevant sind. die erste Stufe ist genommen, nämlich der erste Relevanz Check. Es ist trotzdem immer noch sehr viel. Wenn wir dann in die zweite Evaluierungsrunde gehen und die Ergebnisse daraus anschauen, ist es immer das schöne. Da merke ich immer, wie auf Kundenseite der Groschen oder heute der Cent zu fallen hören ist. Das ist immer super. Durch den Evaluations- Bewertungs- und Diskussionsprozess kommen super Insights. Es sind nicht nur die fünf oder zehn absolut relevantesten Trends für uns, um die wir uns sofort kümmern, sondern auch das warum. Warum haben Leute eine unterschiedliche Meinung zu diesen Trends? Ich kann mich noch erinnern. Metzi, vielleicht kannst du dich an so 2012 erinnern. Es ist fast zehn Jahre her. Wir standen in München bei unserem guten Kunden BMW. Das kann man nennen, da es kein Geheimnis ist. Da ging das mit dem Trendradar los. Wir kamen in einen Raum, der im Grunde ihr War Room gewesen ist, rein. In dem haben sie alle Studienergebnisse, die wir bis dahin für sie aufbereitet hatten, ausgedruckt und an die Wände geklebt. Vielleicht erinnerst du dich. Wir kamen rein und ich war total erschlagen von der Output Menge, die wir produziert haben, wie auch vom Input, den der Kunde da verarbeiten muss. Da hat der Kunde auch gefragt, was wir denn jetzt machen. Ich fand, das war eine sehr gute Frage. Die ganzen Outcomes und Studien waren da und man stand in der Mitte und hat sich total klein gefühlt. Da ist die Idee der Trendradar Logik der Priorisierung der Trends geboren. Man bildet eine ganz klare Reihenfolge und ordnet die Trends eindeutig zu gewissen Handlungskategorien zu. Das war der Startschuss. Für mich war das ein Enlightning Moment, als ich in dem War Room stand. Dir ging es glaube ich ähnlich. Wir waren froh, als wir mit dem Kunden zusammen diese Trendradar Logik gestartet haben. Inzwischen ist es fester Bestandteil des Technologie Managements bei BMW. Ich glaube, die haben mittlerweile vier oder fünf Trendradare im Unternehmen, die sie parallel bearbeiten.

Die relevanten Mega-Trends für den Trendradar Mittelstand

Peter von Aspern: Enlightning Moment ist ein sehr schönes Stichwort. So einen Moment wollen wir jetzt für unsere Zuhörer erzeugen, indem ich versuche, jetzt unmittelbar auf die Studie zurück überzuleiten. Du hast mit deinem Team den Mittelstandsradar aufgebaut. wir haben gemeinsam mit dem BDI diese Trends bewertet. Wir erzeugen jetzt ein Bild im Kopf der Zuhörer, wie dieses Radar ungefähr strukturiert ist und aussieht, indem wir mit den Mega-Trends starten, die das Trendradar konstituieren. Welche großen Mega-Trends habt ihr als relevant identifiziert?

Torsten Rehder: Der Mittelstand umfasst über 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland. Die erwirtschaften mehr als die Hälfte der Wertschöpfung. Das ist wirklich fester Bestandteil. Man spricht über die Grenzen hinaus vom German Mittelstand. Der ist sehr stark. Ich glaube, 60 Prozent der Arbeitsplätze sind im Mittelstand verortet. Es ist auch wichtiger Bestandteil unseres Ausbildungssystems. 82 Prozent der betrieblichen Ausbildungsplätze kommen durch den Mittelstand. Unser Ausbildungssystem wie auch duale Ausbildungssysteme sind sehr einzigartig. Die haben trotzdem natürlich große Herausforderungen, wovon die größte Digitalisierung und danach Fachkräftemangel sind. Dadurch wählen wir die relevanten Mega-Trends aus. Wir haben viele Themen die die Digitalisierung beeinflussen. Wir haben die Data Ära, also das Datenzeitalter als neuen Rohstoff. Wir haben Digitalisierung generell als Megatrend. Wir haben Automatisierung, was ein wichtiger Trend bezüglich Fachkräfte Mangel ist. Kann ich manches automatisieren, sodass ich gewisse Wertschöpfungsstufen zurückverlagern kann und hier fertigen kann, auch wenn ich nicht so viel Fachpersonal habe. New Work spielt eine große Rolle. Wie kann ich auf dem Arbeitsmarkt attraktiv sein und durch Fort- und Weiterbildung dem Fachkräftemangel selbst begegnen und nicht immer auf das Ausbildungssystem warten? Wir haben noch die Platform Economy als sehr marktseitige Antwort auf Digitalisierung. Es sind die ökonomischen Prinzipien, die darauf funktionieren. Natürlich last but not least ist der sechste Mega-Trend Sustainability. Es ist im Grunde das nächste Kontratieff-Zyklus, also ein Wachstumszyklus, der nicht von Ausbeutung, sondern von intelligentem und nachhaltigem Umgang mit unseren Ressourcen geprägt ist. Man kann also sagen, Nachhaltigkeit sei maßgeblich für den nächsten Kontratieff-Zyklus zu sehen. Wir sprechen von wachsenden Umweltmärkten, Gesundheitsmärkten, Nanobiotechnologie, Ernährung. Das sind alles Themen, die die nächste Wachstumsphase global und in Deutschland ausmachen werden.

Die Macro-Trends zum Thema Nachhaltigkeit

Sebastian Metzner: Das waren die sechs Mega-Trends. Es sind sehr große Wörter, die sich unterschiedlich herunter deklinieren lassen. Wir haben die Ebene Macro-Trends ebenfalls im Trendradar enthalten. Jeder der sechs Mega-Trends hat seine vier Macro-Trends. Lass uns nochmal auf diese Ebene runter schauen. Du sagtest, Nachhaltigkeit sei eines der größten Paradigmen, die in den letzten Jahren durch Fridays for Future viel Fahrt aufgebaut haben und in die öffentliche Relevanz eingetaucht sind. Die aktuelle Bundestagswahl steht im Zeichen des Klimaschutzes. Lass uns über Nachhaltigkeit reden und die Macro-Trends über Nachhaltigkeit anschauen. Kannst du sagen, welche Macro-Trends dort mitenthalten sind?

Torsten Rehder: Gerne. Beim Mega-Trend Nachhaltigkeit ist es beispielsweise die Kreislaufwirtschaft, also Circular Economy. Das ist ein sehr wichtiger Bestandteil, um durch das Unternehmen Beitrag dazu zu leisten, das Klimaziel zu erreichen. Die Produkte sollen nach dem Gebrauch nicht zu Abfall werden. Nicht nur die Produktion, sondern auch das vorherige Design werden so aufgesetzt, dass die Sekundärrohstoffe wieder der Produktion zugeführt werden. Das ist die Design Komponente. Nachhaltigkeit kommt durch das Produktkonzept. Das ist zum Beispiel für Rohstoff- und Energie intensive Unternehmen großes Thema, beispielsweise automotive. Da ist glaube ich BMW vorne mit dabei. Sie haben die Zirkularitätsgedanken fest verankert. Sie versuchen die Rohstoffe zu recyclen und in nächste Baureihen mit aufzunehmen. Ein weiterer wichtiger Trend ist das Thema Ecomaterials, also nachhaltige Materialien. Fangen wir mit Verpackungen an. Großer Pain sind Plastik Verpackungen, bei denen du dich fragen musst, wo sie herkommen, wie die produziert wurden, wieviel Energie eingesetzt wurde und was die Umweltstandards waren. Da schaut man nach alternativen, vielleicht nachwachsenden Materialien, die nicht wie Plastik auf Basis von Erdöl hergestellt werden müssen. Wir haben das Thema Cleantech. Wie wird überhaupt die Primärenergie erzeugt, die wir für die Herstellung von Produkten brauchen? Da ist wichtig, ob es Windparks oder Photovoltaikanlagen sind, die Frage, wo die Energie herkommt und ob man sie selbst produzieren kann, um sich unabhängiger von den Strommärkten zu machen. Da spielt Smart Grid auch mit rein. Das ist in dem gesamten Nachhaltigkeitstrend ein wichtiges Rädchen. Gerade krempeln wir unser gesamtes Energieversorgungssystem um. Das ist eine Operation am offenen Herzen und funktioniert nur, wenn du eine neue Grid Architektur hast, wo du dezentral verschiedene Stromerzeugungsmöglichkeiten berücksichtigst. Weil wir erstmal nicht so viel Strom haben, wie wir benötigen, muss man gucken, wer wann wieviel Strom braucht, um eine gewisse Priorisierung smart herzustellen, sodass in jedem Haushalt und Unternehmen die Maschinen laufen, Autos geladen werden können und unsere Fernseher noch Strom haben. Das sind exemplarisch vier Ausprägungen auf der Makroebene, wenn wir über Nachhaltigkeit reden. Das ist sehr facettiert.

Peter von Aspern: Man kann da sehr schön sehen, wie da ein großes Thema wie der Mega-Trend Nachhaltigkeit konkret runtergebrochen werden kann auf Macro-Trends. Du hast beim Beispiel der Automobil Wirtschaft angedeutet, dass die mittelständischen Unternehmen hier eine besondere Rolle spielen. Automobilbauer wie BMW, Mercedes et cetera sind weltweite Konzerne. Ein großer Teil der Wertschöpfung und Forschung geschieht in der Zuliefererindustrie. Da hast du viele mittelständische Unternehmen, die sich genau mit den genannten Dingen beschäftigen, wie Kreislaufwirtschaft. Wie können wir die Materialien, die verbaut werden, nachhaltiger machen. Andersrum haben die Konzerne diese Anforderungen an die Zulieferer, sodass sie sich weiterentwickeln müssen. So ist die Themenrelevanz sehr deutlich geworden. Eben hast du das Beispiel des Mega-Trends der Nachhaltigkeit genannt. Ihr habt fünf weitere Mega-Trends untersucht und sie auf 24 Macro-Trends runter gebrochen. Die 24 Macro-Trends habt ihr von über 150 Innovationsverantwortlichen aus dem Mittelstand mit einem Online-Fragebogen bewerten lassen. Wir haben das zusammen mit dem BDI gemacht, um den Trendradar aufgrund der Trendbewertung herzuleiten. Wie muss man sich das vorstellen? Was waren die Kriterien, anhand derer die Trends bewertet worden sind?

Die Kriterien für die Trendbewertung

Torsten Rehder: Wir haben diesmal drei Kriterien abgefragt. Zwei sind grundlegen d notwendig, um einen Trendradar darzustellen. Das sind die beiden Basiskriterien, die immer abgefragt werden, und zwar der Impact, wie stark der Einfluss des Trends auf das Unternehmen ist. Ist es gering oder hoch? Es ist immer aus Unternehmenssicht bewertet. Das andere ist der Zeitpunkt. Wir haben ein Zeit- und ein Relevanzkriterium. Beim Zeitpunkt haben wir abgefragt, wann der Trend innerhalb ihrer Branche, in der sie sind, von der Mehrheit der Marktteilnehmer angewendet wird. Da haben wir bewusst nach dem Zeitpunkt der sogenannten Mainstream Adaption gefragt. Dauert es noch zwei oder drei oder vier oder länger als zehn Jahre? Wann sollte man spätestens mit dabei sein? Wenn ein Trend wirklich in den Mainstream diffundiert und nicht nur von Innovatoren und Early Movern adaptiert wird, muss man spätestens dabei sein, um nicht den Anschluss zu verlieren. Deswegen fragen wir immer den Zeitpunkt ab. Ein Relevanz Kriterium und Zeit Kriterium ist wichtig. Die beiden bestimmen die Position im Trendradar. Wir haben aber noch das dritte Kriterium der Kompetenz abgefragt. Wie gut schätzen Sie ein, wie Ihr Unternehmen auf den Trend vorbereitet ist? Das war auch sehr spannend. Wie ist die Selbsteinschätzung? Sind wir gut auf den Trend vorbeireitet oder ist bisher noch gar nichts da? Wenn der jetzt an Fahrt und Impact gewinnt, würde uns der hart treffen, da wir kaum Kompetenzen im Haus haben. Das war ein ganz gutes Kriterium, um dem einen oder anderen Trend gegenüberzustehen und gewisse Gaps und Lücken sichtbar zu machen, weshalb wir diesmal ein drittes Kriterium abgefragt haben.

Webinar zum Trendradar für den Mittelstand

Innovation Advisor Torsten Rehder stellt im kostenfreien Webinar die wichtigsten Auswertungsergebnisse der umfassen Befragung zum Trendradar für den Mittelstand vor. Er zeigt auf, wie Unternehmen den Trendradar für den Mittelstand nutzen können, um eine wirkungsvolle Innovationsstrategie zu etablieren.

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Die Schlüsselergebnisse der Umfrage

Sebastian Metzner: Kommen wir gleich zu den Ergebnissen. Welche Schlüsselergebnisse sind denn durch die Befragung zu Tage getreten, Thorsten? Welche Trends haben den höchsten Relevanz Grad und sind zeitlich am nächsten dran? Kannst du uns einen Einblick in die Auswertung geben, die auf Basis der Bewertung getroffen wurde?

Torsten Rehder: Top Level, was für Kernergebnisse man rausziehen kann, ist nicht überraschend. Die Top drei bewerteten Macro-Trends haben an Stelle eins die Cyber Security, was nicht so verwunderlich ist. Häufig ist es interessant, dass sich gewisses bestätigt. Über 150 Innovationsverantwortliche haben mit abgestimmt, die das ähnlich sehen. Cybersecurity ist zurecht Top of the League. Ich glaube, der Mittelstand hat lange gedacht, Cyberattacken gingen vor allem auf große Unternehmen, die große öffentliche Wahrnehmung und Zahlungsbereitschaft haben, wenn es um digitale Geiselnahmen geht und der Server gehighjackt wird und man sich freikaufen muss. In den letzten drei Jahren haben die Cyberattacken vor allem im Mittelstand stark zugenommen. Da ist die Awareness nicht so stark ausgeprägt. In der Umfrage kam raus, dass es einer der Top drei Trends ist. Ich glaube, es ist immer noch Luft nach oben. Auf Platz zwei ist die Agile Organisation gelandet. Im Rahmen des New Work Mega-Trends haben wir den Macro-Trend agile Organisations, also agile Arbeitsstrukturen, Denkweisen, Entscheidungsprozesse. Die setzen sich in Unternehmen immer mehr durch. Es ist klar ein Trend und wird so wahrgenommen. Teils sind wir da gut vorangekommen. Nach wie vor ist es ein sehr wichtiger Trend in der Arbeitsorganisation. Der dritte Trend kommt diesmal aus dem Bereich der Data Ära. Es ist der Macro-Trend Predictive Analytics. Was versteckt sich dahinter? Ich kann Big Data Analysen machen und dadurch gewisse zukünftige Sachen wie Nachfrage Schwankungen oder Produktionskapazitäten vorausschauend simulieren und dadurch Engpässen begegnen kann. Die Echtzeit- oder Vergangenheitsdaten werden analysiert und mit Kontext Daten zusammengenommen und habe dann eine Prognose. Ich habe beispielsweise eine Bäckereikette und kann durch Predictive Analytics rauskriegen, wie viele Kümmelstangen ich für nächsten Samstag produzieren sollte, da die Nachfrage nächsten Samstag höchstwahrscheinlich so sein wird. Das ist ein einfaches Beispiel für predictive Analytics. Das gibt es in vielen Branchen, wo ich versuche, Angebot, Nachfrage zu antizipieren oder sonstige prozessrelevante Kriterien aus der Zukunft ins Heute hole. Das sind die Top drei. Generell sind im Bereich der Platform Economy drei der vier Macro-Trends im engeren Handlungsbereich, also dem Act Bereich, verortet worden. Da ist klar, man muss sich aktiv um sie kümmern, ohne wenn und aber. Das zeigt deutlich, dass der Mega-Trend der Plattform Ökonomie als sehr relevant wahrgenommen wird.

Act: Der Macro-Trend Direct Consumer

Peter von Aspern: Du konntest  jetzt nicht alle relevanten Themen nennen, weshalb ich nachfrage. Mir fällt Direct Consumer ein. Das war ein Thema, das gerade in den unmittelbaren Zeiten der Pandemie extrem wichtig geworden ist. Da haben viele gemerkt, dass wenn der Groß- und Einzelhandel ausfällt und große Logistikketten wackeln, der direkte Kundenzugang extrem wichtig wird. Ist das eines der Themen, die es auf den Trendradar geschafft haben?

Torsten Rehder: Das ist einer der drei Macro-Trends, der im Act gelandet ist. Er ist recht hoch bewertet. Du hast recht. Spätestens seit dem Corona bedingten Lockdown ist der Trend im Höhenflug Mainstream angesetzt. Wenn ihr auf Instagram, Ticktock, Facebook unterwegs seid, hat man das Gefühl, die D to C Brands, also die direct to consumer Marken sprießen wie Pilze aus dem Boden, ob es Fashion, Body Care, Spielzeug oder Eiscreme ist. Das sind teils Marken, die ich in meinem Hutny, was ein Discounter in Hamburg ist, der glaube ich nicht so bekannt ist, oder Edeka oder meinem Discounter um die Ecke gar nicht finde. Die kann ich nur online direkt bestellen. Direktvertrieb, direkter Kontakt zum Kunden. Das sind viele Startups. Man sieht aber, dass der klassische Mittelständler stark in die Richtung geht, auch im D to B Bereich. Er sucht den direkten Weg zum Kunden. Es ist im Grunde für den klassischen Mittelständler eine gelernte Art, mit seinen Kunden umzugehen. Der Mittelstand hat historisch gesehen viele langjährige, stabile Kundenbeziehungen. Die sind sehr nah am Kunden dran und haben im Grunde immer ein direktes Verhältnis oder Direktvertrieb gehabt. Der Trend spielt in die Karten. Man muss nur den Shift hinkriegen und sehen, was die neuen Mechanismen im direct to consumer Trend sind. Ich vertreibe natürlich 24/7 online und Leute können zu mir in Kontakt treten, was nicht per Telefon oder Fax ist.

Die Ausreisser - überraschende Trendbwertungen

Peter von Aspern: Alles klar. Direct to Consumer ist einer der Act Trends. Du hast es gerade beschrieben. Der Trendradar sieht aus wie eine Ziel- oder Dartscheibe. In der Mitte, im Zentrum des Radars, sind die Trends mit dem größten Reifegrad und Relevanz, also die Act Trends. Dann geht es nach außen in Prepare und Watch, wo wir Trends haben, die einen geringeren Reifegrad haben oder wo die Relevanz nicht so hoch eingeschätzt worden ist. Welche Trends sind dir da aufgefallen, die nicht im Act Bereich gelandet sind, sondern weiter außen? Gab es da Überraschungen für dich?

Torsten Rehder: Tatsächlich. Von den 24 Trends sind zwölf im Act Bereich. Da ist einiges los. Acht sind im zweiten Kreis Prepare. Vier der 24 Trends sind im Watch Bereich, damit der Zuhörer eine Vorstellung hat. Mir ist aufgefallen, dass vom Mega-Trend Automatisierung kein einziger Trend im Act Bereich ist. Wir haben zwei Trends im Watch Bereich. Von den beiden anderen Trends, die im Prepare Bereich sind, ist noch einer kurz vor der Grenze zu Watch. Der ist gerade mal so im Prepare Bereich. Das hat mich sehr gewundert. Da lässt sich festhalten, dass die Automatisierung im Mittelstand wohl revolutionäre Auswirkung haben kann, momentan aber noch verhältnismäßig geringer Verhandlungsbedarf da gesehen wird. Das hat mich gewundert. Primär der Robotics Bereich, der recht weit in einigen Branchen, wie Automobilzulieferer ist, wo es großes Thema ist, kann wichtige Produktionsabläufe zurück verlagern, weil sonst das Lohnniveau in Europa zu hoch ist. Da ist die Robotik besonders im Rahmen von Cobots, also Robotern, die neben dem Menschen nicht separiert in den Produktionshalle agieren können mit besonderen Wachstumsraten unterwegs. Das ist scheinbar zumindest von unseren Teilnehmern aus dem Voting nicht so gesehen. Es ist sehr auffällig, dass im Bereich der Robotics eine geringe Relevanz Einschätzung zu sehen ist.

Peter von Aspern: Das ist interessant, da ich auch gedacht hätte, es wäre höher eingeschätzt worden. Es ist vielleicht ein Branchenthema. Heute morgen habe ich die Nachricht gelesen, dass Amazon in Deutschland das erste vollautomatisierte Logistik Zentrum eröffnet hat. Ich glaube, Logistik Thema ist das Beispiel, wo das Thema wahrscheinlich schon sehr weit fortgeschritten ist. Da bist du darauf angewiesen, dass du vor Ort deine Logistik Zentren haben musst, auch in Hochlohnländern wie Deutschland. Da ist deshalb wahrscheinlich der Handlungsdruck etwas größer. Tatsächlich passieren viele Teile der Fertigung noch in den Niedriglohnländern. Da ist der Automatisierungsdruck noch nicht so hoch. Scheint so zu sein.

Torsten Rehder: Intralogistik ist für Automatisierung natürlich ein riesen Thema. Vor allem die teilautomatisierte Qualitätsprüfung ist glaube ich ein wichtiger Wachstumsbereich, wo ich sehr viele Prozesse automatisieren kann. Das ist ein ganz wichtiger Schritt. Im Bereich Made in Germany ist die Qualitätsprüfung ein sehr wichtiger Prozessschritt in der produzierenden Industrie. Da glaube ich, wird das in Zukunft ein großes Thema sein. Bisher wird es noch nicht so gesehen. Wir haben quantitativ gefragt. Wir haben nicht gefragt, warum die Leute es so einschätzen. Das ist spannend, herauszufinden, warum es auch im Vergleich zu anderen Makro und Mega-Trends so gering gesehen wird. Nachhaltigkeitstrends sind bei den Unternehmen angekommen. Circular Economy und Clean Tech sind auch im Act Bereich gelandet. Da spielt die Zukunft. Ich glaube, viele Nachhaltigkeitsthemen funktionieren nicht ohne Digitalisierung und Automatisierung. Man muss zusammen denken. Die Robotik kann da einen großen Teil zu beitragen, um Sachen nachhaltiger zu produzieren.

Der Mega-Trend New Work und seine vier Macro-Trends

Sebastian Metzner: Ich finde noch das Thema New Work einen interessanten Mega-Trend. Lass uns hier nochmal reinschauen. Du und dein Team habt es recht umfangreich analysiert und interpretiert. Was ist dir im Bereich New Work und den vier dort verorteten Macro-Trends aufgefallen?

Torsten Rehder: Ein Trend heißt Purpose Driven Organisatsions. Da sehen wir, es wird immer wichtiger, den Purpose in den Mittelpunkt des unternehmerischen Schaffens zu stellen und zu kommunizieren und dadurch eine Signalwirkung an die Mitarbeiter zu geben. Warum arbeiten wir hier im Unternehmen mit welchem eigentlichen Zweck? Das wurde viele Jahre nicht so stark gesehen. Der eigentliche Zweck war Geld zu verdienen und Steakholder zufriedenzustellen. Das wird sehr stark nachgefragt, auch von Arbeitnehmerinnen und -Nehmern. Da ist der Mittelstand sehr gut unterwegs. Mittelstand sind familiengeführte Unternehmen mit sehr starker regionaler Verankerung, Fokus auf das regionale Gemeinwohl, obwohl sie internationale Player sind. Sie haben ihren Purpose trotzdem schon immer mit sich getragen, auch wenn es anders hieß. Da liegt glaube ich eine große Chance. Der Mittelstand sieht das zum Glück selbst für sich, dass er da Wirksamkeitshebel umlegen kann. Ich sagte es vorhin, was die großen Herausforderungen des Mittelstands sind: Digitalisierung und Fachkräftemangel. Anderer Bereich ist der Makrotrend Re- and Upskilling, da wir keinen Mangel an Arbeitskräften, sondern an Skills haben. Der Mittelstand ist häufig in speziellen Technologie getriebenen Nischen und ist da Weltmarktführer. Das sind Hidden Champions, von denen man gar nichts mitbekommt. Sie haben vor allem beim technologischen Expertenwissen eine hohe Spezifizierung. Das ist nicht einfach von Unternehmen zu Unternehmen übertragbar. Wenn ich vom Nachbarunternehmen rüber wechsle, kann ich natürlich Kundenbeziehungen und Expertenwissen mitnehmen. Die Halbwertszeit des Wissens und die Übertragbarkeit ist sehr gering und wird immer geringer. Da ist das Thema interne Fort- und Weiterbildung wichtig. Weniger bei Technologie, sondern vor allem bei Soft Skills und Basiswissen im Umgang mit Daten. Das nennen wir Data Literacy, was ein anderer Makrotrend ist. Ebenso die Basiskompetenz im Umgang mit unsicheren Zukünften, also die Future Literacy und andere Skills werden in Zukunft immer relevanter. Das gilt es vom Mittelstand über HR Programme aufzugreifen. Das ist glaube ich ein Makrotrend mit hohem Einfluss auf die Zukunft von Unternehmen, wenn sie das Re- und Upskilling Programm zeitgemäß aufsetzen.

Der eigene Trendradar

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Felder mit größeren Gaps und Nachholbedarf - wie gut aufgestellt ist der Mittelstand im Umgang mit Trends?

Peter von Aspern: Eingangs hast zu erzählt, dass bei der Bewertung der Trends neben den zwei Kriterien Reifegrad und Relevanz ein drittes Kriterium abgefragt worden ist, und zwar das der Kompetenz. Wir redeten gerade über zukünftig relevante Kompetenzen. Was hat die Dimension der Kompetenzbewertung für Ergebnisse hervorgebracht? Interessant ist immer, wie im Querschnitt Innovationsverantwortliche aus dem Mittelstand ihre eigenen Kompetenzen im Bezug auf Trends bewerten. Was waren da Highlights und Felder mit größeren Gaps und Nachholbedarf?

Torsten Rehder: Generell ist der Mittelstand aus der Außenwahrnehmung vielleicht etwas zu streng mit sich ins Gericht gegangen. Die durchschnittlichen Kompetenzwerte lagen im Spektrum von 2,44 bis 3,78 auf einer Skala von Maximal 6. Der Mittelstand hat sich im Bereich Cybersecurity die höchste Kompetenzeinschätzung gegeben. Die lag bei 3,78, was auch nicht so hoch ist. Wie gesagt sind die da vielleicht etwas streng mit sich ins Gericht gegangen. Ich glaube, sie wissen gar nicht, was sie alles wissen. Bei Cybersecurity haben sie sich die höchste Kompetenzeinschätzung gegeben. Bei (?HI) Organisation ist die zweithöchste Kompetenzeinschätzung. Purpose Driven Organisation ist in den Top five. Direct to consumer aufgerundet 3,5. Das meinte ich vorhin. Man kann sagen, das sind die guten alten mittelständlerischen Tugenden. Sie sind nah am Kunden, haben langfristige Kundenbeziehung, sind sehr kundenorientiert. Sie stellen den Kunden in den Fokus und innovieren aus dem Kundenbedürfnis heraus stark. Das sieht man bei den Zulieferern stark. Was braucht BMW zukünftig? Das delivere ich. Sie innovieren weniger aus Technologieseite heraus. Viele Mittelständler sind nicht in großen Metropolregionen, sondern an Orten, wohin man mit Anreizmechanismen erstmal die Arbeitskräfte hinbringen muss. wenn man dann alte Entscheidungs- und Führungsstrukturen hat, ist es ein Abturner. Man kann nicht alles mit Gehalt lösen, sondern muss sagen, ob man moderne Arbeitsstrukturen, Home Office Möglichkeiten, die Möglichkeit, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen bietet. Das sind alles klassische Stellschrauben, die der Mittelstand seit jeher immer einsetzt. Wo traut sich der Mittelstand bisher am wenigsten zu? Die schlechtesten fünf sind die beispielsweise die Advanced Network Technologies. Darunter fällt 5G. da habe ich mich sehr gewundert. Es deckt sich mit unserer Wahrnehmung. Wir sehen sehr viele Potentiale in der 5G Technologie und der Möglichkeit, ein Campus Netzwerk aufzubauen. Ich kann als Unternehmen mein eigenes Funknetzwerk aufbauen und dadurch Maschinen miteinander vernetzen. Das ist großes Potentialfeld. Der Markt ist aber sehr intransparent. Die Anbieter dort wie Telekom, Vodafone haben ihre Programme. Ich glaube, da ist aber starke Luft nach oben. Für den Mittelstand gibt es kaum Möglichkeiten, einen Piloten zu starten. Ich probiere das mal aus. Wie fühlt sich 5G an? Das ist ein sehr abstraktes Thema. Das mittelstandskompatibler zu machen ist eine große Herausforderung. Wir brauchen im Gegensatz zu anderen Meinungen in der Politik bin ich fest überzeug, dass wir an jeder Milchkanne 5G brauchen. Es ist großes Thema im Bereich Automatisierung, Schlüsseltechnologie. Daher muss da zwangsläufig Kompetenzaufbau stattfinden. Es ist keine Hol- sondern auch eine Bringschuld. Man muss Initiativen haben und sagen, wie man das Thema näher an den Mittelstand heranbringt. Wir zeigen die Potentiale auf, geben die Möglichkeit, mit geringen Kosten Sachen zu pilotieren und die Vorteile sichtbar zu machen.

Sebastian Metzner: Du sagst, der Mittelstand ist mit sich selber hart ins Gericht gegangen, Thorsten. Wie ist deine Einschätzung aus der externen Perspektive? Wie gut aufgestellt siehst du den Mittelstand im Umgang mit Trends?

Torsten Rehder: Der Mittelstand kann ziemlich viel in eine Waagschale werfen, wo es anderen Unternehmen schwerer fällt, Innovationsmanagement oder Trendmanagement in Kombination mit Innovationsmanagement überhaupt zu etablieren. Allein von der Unternehmenskultur hast du eher eine überschaubarere Steakholderkultur. Eigentum und Leitung liegt im Mittelstand häufig in der selben Hand. Das meinte ich mit Familienunternehmen. Wenn die die Zeichen der Zeit erkannt und es verstanden haben, dann geht es schnell. Du hast kurze Entscheidungswege, schnelle Entscheidungsprozesse. Bei agiler Organisation ist der Mittelstand sehr weit vorne. Es fällt ihnen sehr leicht, wenn sie etwas machen wollen. Sie haben im Umgang mit Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern eine hohe Verantwortung und starke Kundennähe. Sie sind immer sehr nah dran und haben ihre Sensoren sehr gut ausgestreckt. Es fehlt dem einen oder anderen höchstens, das systematisch in einem Frühwarnsystem zusammenzubringen, um es von den einzelnen Köpfen zu entkoppeln. Wir versuchen das Wissen zu kollektivieren und haben einen Prozess dahinter, der eine permanente Beschäftigung mit der Zukunft ermöglicht und nicht ad hock, dass ein Thema aufkommt, das heißer zu werden scheint. Jetzt müssen wir uns periodisch darum kümmern. Man hat wirklich eine Permanenz in der Trendbeobachtung und der Zukunftsantizipation. Das ist noch nicht so weit verbreitet. Bei vielen Mittelständlern ist die Angst immer, sich ein unglaubliches Ressourcen Brett ans Bein zu binden. Das ist tatsächlich aber nicht so. Trendmanagement kann man sehr groß und breit, aber auch sehr pragmatisch zielführend mit einem überschaubaren Ressourceneinsatz machen. Das ist meine Wahrnehmung.

Peter von Aspern: Das ist genau unser Anspruch, bei unseren Kunden die passgenaue Lösung zu implementieren und da zielgerichtet und effektiv vorzugehen. Das Trendradar, was ihr euch downloaden und anschauen könnt, ist ein ganz wichtiges Artefakt im Bereich Trendmanagement. Das Mittelstandstrendradar repräsentiert natürlich einen Querschnitt. Wir haben auf unterschiedliche Unternehmen geschaut. Die 150 Teilnehmer kommen aus unterschiedlichen Unternehmen und Märkten mit verschiedenen Hintergründen. Es ist trotzdem sehr interessant, welchen Querschnitt an Trendthemen man da aufdecken kann. Es ist sicherlich zentral, dass der nächste Schritt sein sollte, sich ein eigenes Trendradar zu bauen. Wenn man Mittelständler oder sogar BDI-Mitglied ist, bin ich mir sicher, dass ein eigenes Trendradar sicher nicht anders aussehen würde, als das hier in der Studie, weil die eigenen Perspektiven und der Markt, in dem man unterwegs ist, total zentral sind, um so einen Trendradar herzuleiten. Es macht einen Unterschied, wie du dann die Trends bewertest.

Torsten Rehder: Absolut. Dazu muss man sagen, dass die Arbeit erst richtig losgeht, wenn ich ein fertiges Trendradar habe, da ich dann die richtige Ableitung treffen muss. Wenn ich die Trends nur priorisiert habe und weiß, auf welche ich mich konzentrieren muss und bei welchen ich noch ein halbes Jahr warten kann, ist es die eine Seite. Die andere ist, was Act heißt? Was konkret muss ich machen? Warum ist der Trend in Act gelandet? Was sind Use Cases und Szenarien, die ich für die Bewertung im Hinterkopf hatte? Das ist das spannende, das Radar in nächsten Schritten zu nehmen, die Act Trends konkret nach Grund zu hinterfragen. Überwiegen da Chancen oder Risiken? Welcher Bereich ist hier im Unternehmen besonders betroffen? Ist es ein Produktionstrend? Zahlt er vor allem auf die Strategie oder HR ein? Das ist auch ganz wichtig. Dann wird die Ableitung immer konkreter und individueller und wirkungsvoller für das Unternehmen selbst.

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Was sollten Unternehmen tun, wenn sie sich einen eigenen Trendradar erstellen wollen und nicht den aus der Studie als Blue Print nutzen wollen?

Sebastian Metzner: Du hast gerade den Prozess des systematischen Trendmanagements skizziert. Lass uns auf die konkreten Dos und Don’ts eingehen. Was sollten Unternehmen tun, wenn sie sich einen eigenen Trendradar erstellen wollen und nicht den aus der Studie als Blue Print nutzen wollen? Worauf sollten sie dabei achten?

Torsten Rehder: Es klingt etwas beliebig. Es ist aber immer wichtig, sich die Frage bewusst zu beantworten, warum man ein eigenes Trendradar braucht. Ich mache keinen Trendradar oder Arbeite mit Trends, um mit Trends zu arbeiten. Trends sind nie der Selbstzweck. Ich sage immer, dass ich da hin möchte. Das determiniert, wie ich ein Trendradar Projekt aufsetze. Wir haben die Suchfelder, also große Tortenstücke. Das waren bei uns die Mega-Trends. Das muss nicht immer der richtige Scope sein. Es geht immer darum zu sagen, welchen Zweck man mit dem speziellen Trendradar verfolgt. Ist es einer mit Technologiefokus, einer der ganzheitlich die Wandelwelt darstellen soll mit sozialen und Markttrends? Dann geht es darum, sauber die richtigen Suchfelder abzuleiten. JE besser die Suchfelder sind, desto besser sind die Ergebnisse auf der Trendebene. Das ist erstmal wichtig. Ziele definieren und priorisieren. Was sind Hauptziele? Demnach muss sich inhaltlich der Trendradar unterordnen. Der zweite wichtige Punkt ist, Implementierungskontext zu beachten. Wie weit ist das Unternehmen also generell im Bereich der Future Literacy gewohnt, sich mit zukünftigen Themen auseinanderzusetzen. Viele Unternehmen setzen sich mit ihrer Vergangenheit auseinander und analysieren Vergangenheitsdaten. Dann sind sie in Echtzeit. Sie sagen, was sie jetzt machen müssen. Kurzfristige Orientierung ist im Mittelstand zum Glück nicht so häufig vertreten wie in anderen börsennotierten Unternehmen, die Quartalsmäßig denken müssen. Wir haben häufig Familiengeführte Unternehmen, die einen Generationsgedanken drin haben und sehr langfristig unterwegs sind. das spielt dem Mittelstand in die Karten. Implementierungskontext muss trotzdem beachtet werden. Ich designe nicht einen überdesignten Prozess und versuche da, ein riesiges Trendradar mit 30, 40, 50 Trends zu haben. Das ist zu viel. Lieber startet man mit kleinerer Version und nutzt die Lerneffekte des Unternehmens dazu, es auf die nächste Komplexitätsstufe zu holen. Ich weiß also, wohin ich will und dass es komplexer werden muss, um die volle Wirkung für das Unternehmen zu erzielen. Ich fange in der ersten Runde aber erstmal mit einer etwas einfacheren Version an. Vor allem im ersten Durchlauf darf man nicht vergessen, dass die Ergebnisse, die rauskommen zählen, wie auch die Lerneffekte der Organisation. Das ist auch ein wichtiger KPI, wenn ich erstmalig einen Trendradar aufsetze. Ich sage, es ist ein wichtiges Ziel, dass wir lernen, mit der Zukunft systematisch umzugehen und systematisch Ableitungen zu treffen. Das sind die zwei Sachen. Wenn ich dabei bin, kann man generell überlegen, welche Tools ich einsetze. Von vornherein kann ich mit einem Tool stark gewisse Prozesse erleichtern und sie vielleicht berücksichtigen. Wenn ich erstmal ein Trendmanagement aufbaue und sich das etabliert hat und ich mir dann das passende Tool suche, wird es nicht funktionieren. Entweder baue ich es mir und es ist nicht bezahlbar oder ich sage von vornherein, was es marktseitig für Tools gibt. Da gibt es viele schöne zum Thema digitales Trendmanagement. Dann kann ich vielleicht den Prozess darauf adaptieren und meine eigenen Prozesse hacken. Anpassen und die Vorteile der Tool-Ebene und meiner eigenen Prozesse sollte man nutzen.

Peter von Aspern: Vielen Dank, Thorsten. Das sind gute Punkte, die sicherlich die Quintessenz aus vielen Jahren Projekterfahrung von Thorsten sind, da er bereits viele Radarprojekte verschiedener Kunden begleitet hat. Im Grunde bieten wir euch mit der Studie zum einen die Möglichkeit, euch selbst einen Trendradar spielerisch zu bauen. Das geht mit unserem Tool, dem Trendmanager, der ein gutes Startpaket ist, um in das Thema rein zu tauchen. Wir empfehlen es euch auf jeden Fall, euch die Studie runterzuladen, die Thorsten mit seinem Team erstellt hat. Schaut euch nochmal die Ergebnisse an. Daran kann man sehr gut erkennen, welchen Mehrwert so ein Trendradar bietet und welche spannenden Ableitungen man aus diesen Ergebnisse für sich ziehen kann. Der nächste Schritt kann sein, dass ihr unser Trendmanagement Tool testen könnt, den Trendmanager, wo ihr die Möglichkeit habt, ein erstes eigenes Radar zu erstellen.

Sebastian Metzner: Danke, Thorsten. Ich muss sagen, dass ich heute zwei oder drei Enlightning Moments hatte, die ich mitnehme, obwohl ich das Thema auch begleite. Besonders wen wir über das Gap zwischen Einfluss und Relevanz des Trends reden und den Abgleich mit der Kompetenz einleiten, dachte ich, man könnte Ableitungen ziehen, auch wenn wir nicht gefragt haben, warum das so ist. Das werde ich mir nochmal genauer angucken, um zu schauen, wo die Gaps eigentlich sind. Das war ein sehr smarter Gedankengang. Vielen Dank, dass du heute unser Gast warst, Thorsten.

Torsten Rehder: Sehr gerne. Ich würde gerne nochmal den Aufruf machen, euch nicht nur die Studie runterzuladen, sondern gerne Feedback zu geben. Wenn ihr etwas komplett anders sehr oder nähere Insights aus der Praxis habt, da ihr selbst im Mittelstand unterwegs seid, findet ihr mich auf Linked in. In der Studie ist meine E-mail-Adresse. Gebt uns gerne Feedback. Es ist ein offener Prozess. Wir machen das Angebot mit dem ersten Aufschlag und dem Trendradar, der auch immer eine Diskussionsgrundlage ist. Es ist nie gesetzte Wahrheit. Es lebt vom Diskurs. Gebt uns alle gerne Feedback, wenn ihr die Studie runterladet. Ich bin gespannt auf eure Kommentare. Vielen Dank für die Einladung. Bleibt gesund und fröhlich.

Peter von Aspern: Dem kann ich mich nur anschließen. Macht es gut. Bis bald.

Sebastian Metzner: Macht es gut. Bis bald. Tschüss.

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