TRENDS 2017

Jedes Jahr stellen wir unseren Kunden mehr als 3.000 Micro-Trends im Trendexplorer zur Verfügung. Auf Basis dieser Innovationen identifizieren unsere Analysten große Strömungen – die Trends 2017. Dabei zeigt sich, kurzfristige und langfristige Entwicklungen müssen heute gleichzeitig von Unternehmen berücksichtigt werden.

Den gesamten Innovationshorizont überspannend, stellt Act – Think – Watch eine Handlungsempfehlung im Umgang mit den Trends dar. Wir glauben daran, dass das Große im Kleinen entsteht und geben Ihnen erste Impulse – Start to innovate!


#1 Conversational Commerce

Voice-First-Interfaces revolutionieren die Kundeninteraktion.

Digitale Konversationen sind die neue Form der Kundeninteraktion. Messenger, als zentrale Plattformen, werden zum Ökosystem für Händler, Marken und Dienstleister. Ob per Text, Video oder automatisiert als Chatbot, die natürliche Sprache signalisiert Nähe und Komfort. Die Kommandozeile wird zum wichtigsten Shoppingkanal. Ein Emoji genügt und die Pizza ist bestellt. Smart-Home-Systeme wie Amazon Echo und Google Home verzichten gänzlich auf grafische Benutzeroberflächen. Mit über 3.000 „Alexa-Skills“ lassen sich Lebensmittel oder Taxis bestellen. „Voice First“ wird zum bedeutendsten Baustein der Service-Architektur aller Anbieter.

Start to innovate: Starten Sie durch. Definieren Sie einen Use-Case für Ihr Unternehmen. Mit Tools wie Chatfuel.com lassen sich Chatbots ganz ohne Code in zehn Minuten erstellen. Video-Tutorials leiten Sie dabei an. Testen Sie den Prototypen mit Kollegen. Sammeln Sie Feedback. Mit Hilfe dieser Erfahrungen analysieren Sie jetzt, welche Prozesse in Ihrem Unternehmen durch Chatbots ergänzt werden können.

#2 Deliver Readiness

Die unmittelbare Lieferbarkeit wird zum Gestaltungsleitsatz der Produktentwicklung.

Instant und Now sind die Schlüsselwörter der Lieferservices und Logistikanbieter. Amazon und Deliveroo machen es vor. In 30 Minuten erreicht die bestellte Ware den Kunden. Das Bedürfnis nach sofortiger Verfügbarkeit ohne Wartezeiten macht die Kunden zum Prozessgestalter. Wann, wo und wie die Waren ausgeliefert werden, bestimmen sie. Dabei entstehen innovative Konzepte – von Kleinstlagern in Innenstädten, die Speedpicking erlauben, bis hin zu autonomen Robotern, die per Mercedes-Van die Lieferungen in der Nachbarschaft verteilen. Die Schlussfolgerung daraus: Waren oder Dienstleistungen müssen zukünftig „deliver ready“ sein und jederzeit und allerorts dem Kunden zur Verfügung stehen. Produkte und Services werden nach dem Grundsatz der Lieferbarkeit entwickelt.

Start to innovate: Überlegen Sie Folgendes: Erwarten Ihre Kunden zukünftig, dass die Produkte oder Dienstleistungen Ihres Unternehmens „instantly“ zu ihnen kommen? Lässt sich aus dieser Möglichkeit ein Geschäftsmodell entwickeln? Fokussieren Sie sich auf mögliche Kooperationspartner. Ob lokaler Handel, Logistiker oder Start-ups. Nutzen Sie die Chance zum Austausch, Sparring und zur Co-Creation. Gemeinsam mit ihnen lassen sich schnell Prototypen erstellen und testen.

#3 Mixed Reality

Holografische Darstellungen künden vom Zeitalter ohne Screens.

Die Limitierung der User Experience auf Bildschirmen gehört der Vergangenheit an. Mixed Reality ermöglicht die realistische Darstellung interaktiver 3D-Projektionen in der direkten Umgebung. So vermischen sich mit Brillen wie der Microsoft HoloLens digitale und physische Darstellungsebenen. Per Eye-Tracking, Gesten und Sprache navigiert der Nutzer in der Mixed Reality. Ob zur Schulung, Montage oder Produktentwicklung – Unternehmen aller Branchen erkennen das Potential der Technologie. Realität und Virtualität vollständig zu vereinen, gelingt holografischen Projektoren wie dem Holovect. Galten Hologramme zum Anfassen zeitwährend als Stoff der Science Fiction, kommen sie langsam in der Gegenwart an.

Start to innovate: Halten Sie Ausschau nach Events, Meetups oder VC-Pitches in Ihrer Region, auf denen Anbieter oder Entwickler die neueste Hard- und Software vorstellen. Nutzen Sie jede Chance die Technologie live zu testen. Teilen Sie Ihre Eindrücke mit Teilnehmern und Kollegen. Überlegen Sie, wie Ihr Unternehmen von der Mixed Reality profitieren kann. Entwickeln Sie kleine Test-Szenarien. Übrigens: Die HoloLens ist ab Ende 2016 im Handel erhältlich.

#4 Blockchain Business

Was das Internet für die Kommunikation ist, ist die Blockchain für die Transaktion.

Die Blockchain besitzt das disruptive Potential, Jahrzehnte vorherrschender Branchenmechanismen und Geschäftsmodelle auf den Kopf zu stellen. Denn die Blockchain ist mehr als eine sichere, digitale Infrastruktur, auf der Transaktionen verzeichnet werden. Die Blockchain agiert als technisch umgesetztes Vertrauen zwischen Menschen, sodass die Notwendigkeit eines vertrauenswürdigen Dritten wegfällt. Sie wird überall dort eingesetzt, wo Sicherheit, Fairness, Verteilung, Abrechnung, Verifizierung und Nachverfolgung erforderlich sind. Vorerst verläuft die Revolution im Hintergrund, im Backend. Endkunden werden erstmals über Smart Contracts oder Dapps mit der Blockchain in Kontakt kommen. 

Start to innovate: Verfolgen Sie Webseiten wie Ethereum.org oder Bitcoinmagazine.com. Es gilt, die Entwicklungen und Auswirkungen im Auge zu behalten. Bewerten Sie die Beobachtungen für Ihr Unternehmen. Beginnen Sie auch, Studien und Papers zu sichten. Geben Sie Ihren Entwicklern dezidierte Zeit, sich mit der Blockchain zu beschäftigen. Erstellen Sie auf Basis der Erkenntnisse eine strategische Roadmap für Ihr Unternehmen.

#5 Retail Robots

Eine neue Automatisierungswelle macht den Roboter zum Kooperationspartner.

Mein Kollege der Roboter – dieser Satz könnte im Einzelhandel bald Realität sein. Weltweit testet die Retail-Branche den Einsatz von Robotern in ihren Filialen. In-Store-Konzepte sehen die Nutzung von Inventurrobotern vor. „Tally“ und „Tory“ scannen die Regale autonom auf der Suche nach fehlenden oder falsch sortierten Waren. Das Personal soll so von Routinetätigkeiten entlastet werden und mehr Zeit für die persönliche Kundenberatung erhalten. Selbstfahrende Einkaufswagen wie „WiiGo“ oder „Dash“ folgen dem Kunden eigenständig durch den Laden. Hinter diesen Konzepten steht die Vision des automatisierten Handels. Supermärkte und Restaurants, die gänzlich ohne Mitarbeiter operieren, eröffneten bereits in Schweden und den USA. Technisch machbar doch sozial umstritten – diese Entwicklung wird die Debatte um eine Automatisierungsdividende weiter forcieren. 

Start to innovate: Welche Chancen und Risiken entstehen bei der Automatisierung von Arbeit? Autoren wie Martin Ford, Erik Brynjolfsson oder Ulrich Eberl diskutieren kontrovers in ihren Büchern.  Verschaffen Sie sich einen Überblick. Nehmen Sie Kontakt zu den Innovatoren auf. Besuchen Sie Robotik-Unternehmen wie MetraLabs, Kuka oder Softbank auf Messen und Ausstellungen. Persönliche Erfahrungen helfen Ihnen das Potential der Technik objektiver zu beurteilen. 

#6 4D Printing

Materialien werden zu Maschinen.

Aus 3D wird 4D. Möglich machen dies programmierbare Materialien, die sich nach ihrer Herstellung selbstständig transformieren oder weiterentwickeln. Die Veränderungsfähigkeit stellt die vierte Dimension dar. Materialien sind in der Lage, Aufgaben zu übernehmen. Eingebracht in ein Möbelstück sorgen sie für den selbstständigen Aufbau. Sie sind nicht länger bloß Materialien, sondern werden zu Maschinen. Programmierbare Materialien lassen sich nicht nur drucken oder industriell fertigen, sondern auch züchten. Bakterien im Stoff von Sportkleidung reagieren z.B. auf Luftfeuchtigkeit und sorgen so für optimale Trainingsbedingungen. Adaptiv, multimodal, selbstreparierend und biologisch abbaubar – 4D Printing läutet die Materialzukunft ein. Mit dem Engineering von heute wird sie nicht mehr viel gemeinsam haben.

Start to innovate: Fordern Sie Ihre bestehenden Produkte heraus und starten Sie einen internen Hackathon. Schließen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Team für 24 Stunden ein. Wie wird 4D Printing Ihre Produktentwicklung, Ihre Verpackungsdesigns oder Ihre Marketing-Samples verändern? Bauen Sie Prototypen. Papier, Bleistifte, Textmarker und Kaffee sollten nicht fehlen. Pitchen Sie Ihre Prototypen zum Abschluss so, als würde es um große Beträge Risikokapital gehen.

#7 Purification

Ein neues Hygienebewusstsein verlangt nach Reinheit bis hin zur Sterilität.

Putzen sich Küchen, Bäder oder Toiletten bald von allein? Bedingt durch Lebensmittelskandale und Krankheitswellen wie EHEC ist das Bedürfnis nach Reinheit stark angestiegen. Technologien wie UV-Licht, Ionisatoren und Ultraschall versprechen absolute Sauberkeit bis hin zur Sterilität. Dies geschieht ohne den Einsatz von manuellen Reinigungsverfahren und konventionellen Putzmitteln. Selbst die Waschmaschine wird zum Dress-Manager, der Kleidung ohne Wasser und Waschmittel durch Nano-Filter in wenigen Minuten zeitsparend und nachhaltig reinigt. Gänzlich überflüssig soll das manuelle Putzen durch selbstreinigende Materialien und Fasern werden. Ob im Carsharing oder im öffentlichen Nahverkehr – präventive Maßnahmen zum Schutz vor Gesundheitsrisiken umgeben den Menschen zukünftig wie eine Aura.

Start to innovate: Fragen Sie die Crowd, indem Sie eine Kampagne auf der firmeneigenen Innovationsplattform starten oder freie Social Software nutzen. Gehen Sie gemeinsam mit anderen Mitarbeitern auf die Suche nach neuen Ideen und innovativen Konzepten. Der softwaregestützte Prozess sorgt für die Bündelung von Kreativität und strukturierter Klarheit. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Sie eine Idee finden, die tatsächlich zur Umsetzung kommt.

#8 Space Colonization

Die Menschheit auf dem Sprung zur interplanetaren Spezies.

Führt die Privatisierung der Raumfahrt in eine Ära, in der die Menschheit ein System aus Raketenbasen im Weltall unterhält und fremde Planeten besiedelt? SpaceX, Boeing sowie die NASA arbeiten fieberhaft an der Vision. Ihre Pläne sehen vor, die erste bemannte Mission im Jahr 2026 zum Mars zu schicken. Zuvor gilt es die technischen Probleme und finanziellen Herausforderungen zu lösen. Wiederverwendbare Trägerraketen und Raumkapseln müssen für den 450 Tage langen Flug entwickelt werden. Unverzichtbar für die ersten Siedler sind neben Nahrung, Wasser und Sauerstoff auch Kleidung und Unterkunft. Terraforming könnte den Mars langfristig bewohnbar machen. Die Visionäre sind sich einig: Wenn es der Menschheit nicht gelingt, außerhalb der Erde Fuß zu fassen, wird sie aussterben.

Start to innovate: Sorgen Sie in Ihrem Unternehmen dafür, dass langfristige Zukunftsthemen präsent sind. Start-up-Monitoring auf Cruchbase.com oder Angellist.com sollte von Ihnen zur Routine erklärt werden. Google investiert bereits heute in Satelliten- und Geo-Engineering-Start-ups. Greifen Sie dazu auch auf Reportings zurück oder nutzen Sie weltweite Innovationsdatenbanken. So behalten Sie die disruptiven Veränderungen im Blick, nehmen Dynamiken wahr und können frühzeitig handeln.

#9 Quantum Clouds

Superschnelle Rechenleistung durch Quantencomputing-as-a-Service.

Das Unternehmen D-Wave Systems gilt als erster Anbieter des kommerziellen Quantencomputings. Der von ihnen entwickelte Quantencomputer rechnet mit 512 Qbits. Zu den ersten Kunden gehören die NASA und Google. Laut ihren Berechnungen ist der Quantencomputer rund 100 Millionen Mal schneller als ein herkömmlicher Computer. Mit Hilfe des Quantencomputers kann man die Suche in Datenbanken erheblich beschleunigen, komplexe Systeme simulieren und wohl auch die heutigen Verschlüsselungstechnologien knacken. Ihre Rechenkraft kann zukünftig über die Cloud bezogen und gebucht werden. Quantum Clouds könnten die Plattformen der Zukunft werden, die Anbieter wie Amazon oder IBM zur Verfügung stellen und damit die Ära der Hypercomputation auslösen.

Start to innovate: Richten Sie Ihre Antennen aus. Erstellen Sie Google Alerts zu Themen rund um den Quantencomputer und Quantenphysik. Suchen Sie gezielt auf Twitter nach Hashtags wie #QuantumComputing. Folgen Sie den Tweets und ihren Autoren. Besuchen Sie wissenschaftliche Webseiten wie Phys.Org oder Spectrum.ieee.org und halten Sie sich zu diesem Thema auf dem Laufenden.


KONTAKT

Haben Sie Fragen zu den Trends 2017? Melden Sie sich bei Sebastian Metzner per E-Mail oder telefonisch unter 030 509 148 59.